Die Teamuhr

| von Christin Colli

Jedes Team durchläuft verschiedene Phasen und wie bei einer Uhr die Zeiger Minute für Minute oder Stunde um Stunde weitergehen, kann auch ein Team keine Phase überspringen- aber der Reihe nach: Wir starten idealerweise bei  null mit der Kennlernphase. Von drei bis sechs befinden wir uns in der Konfliktphase. Das dritte Viertel ist die Organisationsphase und die vierte und letzte Phase nennen wir Harmoniephase.

Phase 1: Kennlernphase

Am Anfang zeigt sich jeder von seiner besten Seite. Man bemüht sich umeinander und alle freuen sich aufeinander, sind neugierig, offen und interessiert, weil alles möglich erscheint. Es herrscht eine zuversichtliche Aufbruchsstimmung.

Phase 2: Konfliktphase

In diese Phase rutschen wir oft auch durch kleinere Vorfälle, die uns irritieren, wenn z. B. einzelne Teammitglieder etwas sagen, womit wir nicht rechneten oder sich anders verhalten, als erwartet. Unsere Anfangserwartung wird unterbrochen.
Zuerst sind wir vielleicht noch bereit, großzügig darüber hinwegzusehen, aber unbewusst speichern wir diese kleinen Hiebe ab. Es kommen immer mehr „Kleinigkeiten“ dazu. So schwelen diese ersten Unterbrechungen im Hintergrund, beeinträchtigen die Kommunikation und die Zusammenarbeit. Meinungen übereinander verändern sich zum Negativen. Vorbehalte entstehen. Die Aufbruchsstimmung aus Phase 1 wechselt in eine Ernüchterungs- oder Enttäuschungsstimmung. Jetzt ist nur noch eine Frage der Zeit bis sich Meinungsverschiedenheiten sich in Konflikte auswachsen.
Nur wenn diese Konflikte in einem sicheren Rahmen wirklich ausgetragen und gelöst werden, geht es für das Team innerhalb der Teamuhr weiter voran. Meist halten wir genau das jedoch nicht für möglich. Wir haben in der Regel kein Handwerkszeug dafür, wie wir gut durch Konflikte durchgehen können. So bleiben wir stecken bzw. funktionieren irgendwie weiter, kündigen innerlich oder verlassen das Team. Wir unterschätzen, wie viel Energie dieser Zustand bindet und letztlich nachhaltigen Erfolg verhindert.

Phase 3: Organisationsphase

Nachdem nun Missverständnisse aufgelöst und Konflikte geklärt wurden, ist es wichtig und wieder möglich, die Zusammenarbeit auf ein gutes Fundament zu stellen. Neue Vereinbarungen werden ausgehandelt und getroffen. Wie wollen wir zusammenarbeiten? Was ist unsere gemeinsame Mission und Vision? Was ist uns wichtig. Welche Werte verbinden uns? Was können wir wie optimieren?

Phase 4: Erfolgsphase

Die Prozessabläufe sind wieder klar. Alle Aufgaben werden gelöst. Die Beteiligten haben ihren Platz gefunden und können sich entfalten. Es läuft gut miteinander. Die Kommunikation klappt. Das Team ist sehr leistungsfähig, weil alle ihre Energien auf das Eigentliche konzentrieren können. Die ersten kleinen Erfolge stellen sich ein. Jetzt ist die Gelegenheit, den Beitrag jedes einzelnen zu wertschätzen und dafür eine angemessene Form zu finden. Erfolge dürfen auch gefeiert werden. Auch Teilerfolge sind wichtige Etappen zu größeren Erfolgen, wenn wir sie nicht zu schnell als selbstverständlich hinnehmen.

Coaching kann besonders in den ersten 3 Phasen den Teamprozess unterstützend begleiten. Oft überfordern sich Teams mit dem Anspruch, Konflikte allein lösen zu müssen. Auch Versuche Konflikte einfach zu ignorieren und sich in der Zusammenarbeit auf die Sachebene zu konzentrieren, sind zum Scheitern verurteilt. Sobald wir in einem Team arbeiten, haben wir nicht die Möglichkeit, Phasen innerhalb der Teamuhr zu überspringen. Je öfter wir erleben, dass Konflikte wirklich lösbar sind und das Miteinander danach eine viel bessere Qualität bekommt, je schneller kann man durch Phase Zwei hindurch gehen und je länger können wir die vierte Phase genießen. Wenn man im Team klar herausarbeitet, in welcher Phase man sich befindet ist schon ein wertvoller Anfang getan. Im Anschluss ginge es dann darum eine Antwort auf die Frage "Was bräuchten sie, um in die nächste Phase zu kommen?" zu finden und entsprechend zu handeln.

Jede Veränderung im Team durch Neuzugang, Weggang, Veränderung der Funktion oder äußerer Umstände führt alle Beteiligten geradewegs wieder in Phase eins. Der Prozess beginnt von vorn. Im besten Fall können wir dem geschaffenen Fundament vertrauen und ebenso den Kompetenzen, die wir durch vergangene gute Erfahrungen während der einzelnen Phasen machten.



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