Gewaltfreie Kommunikation - wie schafft man eine wertschätzende, klare Kommunikation?

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Wer kennt das nicht? Wir sind unzufrieden, weil die Socken des Partners mal wieder auf dem Fußboden verteilt rumliegen, oder der Müll schon wieder nicht runtergebracht wurde, obwohl es die Aufgabe unseres Sohnes war… Es sind die kleinen alltäglichen oder aber auch die großen und wichtigen Probleme zwischen Partnern, Freunden oder Familie, die unser Leben unnötig erschweren. Und wie oft neigen wir -leider- dazu, dem anderen dann ungehalten Vorwürfe zu machen oder ihn anzukeifen, weil wir uns missverstanden oder nicht gewertschätzt fühlen? Im Nachhinein mag man sich selbst nicht dafür, den anderen so verbal „gewalttätig“ behandelt zu haben. Wie kommt das und wie kann man sich aus dieser destruktiven Art der Kommunikation befreien und sein Anliegen wertschätzend ausdrücken?

Eine Möglichkeit bietet hier das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation (GfK) von Marshall B. Rosenberg, welches zu mehr Vertrauen und Freude innerhalb der zwischenmenschlichen Kommunikation führen soll. Sie ist auf die Bedürfnisse und Gefühle gerichtet, die hinter Handlungen und Konflikten stehen. So ist es möglich, dass die GfK sowohl „bei der Kommunikation im Alltag als auch bei der friedlichen Konfliktlösung im persönlichen, beruflichen oder politischen Bereich hilfreich sein (kann). Im Vordergrund steht nicht, andere Menschen zu einem bestimmten Handeln zu bewegen, sondern eine wertschätzende Beziehung zu entwickeln, die mehr Kooperation und gemeinsame Kreativität im Zusammenleben ermöglicht.“[1] GfK beschäftigt sich zudem mit den „sprachlichen und kommunikativen Fähigkeiten, die unsere Möglichkeiten erweitern, selbst unter herausfordernden Umständen menschlich zu bleiben.(…) Wir werden angeregt, uns ehrlich und klar auszudrücken und gleichzeitig anderen Menschen unsere respektvolle und  einfühlsame Aufmerksamkeit zu schenken. Unabhängig vom Thema eines Gesprächs gelingt es uns dann immer besser, unseren eigenen, zugrundeliegenden Bedürfnissen wie auch denen unserer Gesprächspartner auf die Spur zu kommen. (…) Wir lernen, in einer bestimmten Situation zu erkennen, was wir konkret brauchen und es klar auszusprechen.“ [2]

Rosenberg nennt die GfK auch die „Sprache der Einfühlsamkeit“, denn richtig angewendet fördert sie die zwischenmenschliche Wertschätzung und liebevolle Aufmerksamkeit in der Kommunikation. Wie funktioniert die Gewaltfreie Kommunikation? Marshall Rosenberg stellt hier folgendes vierstufiges Modell vor:

Die vier Komponenten der GfK

1. Beobachtung – was geschieht eigentlich tatsächlich in einer Situation? Wie schaffen wir es, unsere Beobachtung dem Gesprächspartner ohne Bewertung oder Beurteilung mitzuteilen?

2. Gefühle – im nächsten Schritt geht es darum auszusprechen, wie wir uns dabei fühlen, wenn wir diese Beobachtung machen. Fühlen wir uns dabei beispielsweise traurig, irritiert oder verletzt?

3. Bedürfnisse – jetzt geht es darum zu verstehen, welche Bedürfnisse hinter unseren Gefühlen stehen. Hier schlägt Rosenberg vor, Gefühle mit der Begründung des Bedürfnisses auszudrücken, wie zum Beispiel: „Ich bin ärgerlich/ verletzt, weil ich xy brauche.“

4. Bitten – im letzten Schritt geht es um eine konkrete Handlungsaufforderung, die dem Zweck dient, auf ein Bedürfnis einzugehen, wie zum Beispiel: „Würdest du bitte xy tun“? (… damit es mir besser geht)

Dieses Modell kann man sowohl auf sich selbst als auch auf andere beziehen, entlastet damit beide Gesprächspartner in der Kommunikation und kann auf Dauer die typischen destruktiven Muster auflösen hin zu einer liebevolleren, auf Verständnis und Wertschätzung aufbauenden Kommunikation. Ein weiterer essentieller Baustein in einer gelungenen Kommunikation ist die Empathie. Diese ist eine notwendige Voraussetzung dafür, dass die Bedürfnisse, die hinter einer Handlung stehen, richtig erkannt und mitunter erfüllt werden können. Denn nach Rosenberg ist jede Form der Gewalt ein tragischer Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses. Jedoch nicht nur die Einfühlung in die andere Person ist hierbei wichtig, fast genauso wichtig ist auch die Selbstempathie, die wie so oft Voraussetzung für eine gelungene Klarheit und Bedürfniserfüllung auf beiden Seiten ist. Interessant ist dabei auch, dass die GfK selbst dann funktionieren kann, wenn nur einer der Gesprächspartner die gewaltfreie Kommunikation beherrscht oder anzuwenden weiß. Sie ist aber grundsätzlich noch viel mehr als nur eine Kommunikationstechnik, die man nur anzuwenden hat, damit die Kommunikation „funktioniert“. Vielmehr – und das ist das zutiefst Berührende- geht es darum, seine menschliche Empathiefähigkeit wirklich zu entwickeln und somit auch einen tieferen Zugang zu sich und anderen Menschen zu finden.

Die GfK eröffnet neue Möglichkeiten, mit Konflikten, Streit und Vorwürfen umzugehen und sie auf eine ganz neue, verständnisvollere Art zu verstehen. Zunächst muss man sich an die neue Art der Kommunikation gewöhnen, denn auch Freunde und Familie sind bereits im Strudel der „gewaltigen“ Art zu kommunizieren gefangen – aber es lohnt sich, dranzubleiben! Lassen Sie uns also gemeinsam anfangen, eine neue Sprache zu sprechen. Gewaltfrei, empathisch und liebevoll.

 

Aus: Marshall B. Rosenberg, „Gewaltfreie Kommunikation- Eine Sprache des Lebens“ Junfermann Verlag, Paderborn 2013

https://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_Kommunikation



[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_Kommunikation

[2] Marshall B. Rosenberg, „Gewaltfreie Kommunikation- Eine Sprache des Lebens“ Junfermann Verlag, Paderborn 2013, S.22

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