Ja, ich will! - Das ganze Paket im Team

| von Sandra Kühnle

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist längst kein reines Frauenthema mehr. Eine immer größer werdende Zahl von Paaren wünscht sich eine partnerschaftliche Aufteilung von Beruf und Familie, laut Zahlen von 2012 immerhin 60%. Dennoch fällt es vielen Paaren schwer, diesen Wunsch umzusetzen - nur 14 % gelingt dies. Studien zufolge lebt ca. jedes neunte Paar das Modell eines sogenannten Doppelkarrierepaares. Der Begriff 'dual career couple' meint nach dem Dortmunder Soziologen Michael Meuser nicht nur doppelte Erwerbstätigkeit, sondern darüber hinaus ein hohes Maß an beruflichem Commitment und eine (lebenslange) Aufstiegs- bzw. Karriereorientierung beider Partner. Dies bedeutet, dass beide Partner Vollzeit oder zumindest vollzeitnahe Teilzeit arbeiten. Unabhängig von der Arbeitszeit gilt: Beide verfolgen ambitioniert ihren Beruf.

Zwei Menschen, denen der Beruf wichtig ist und dazu eine glückliche, lebendige Beziehung – das ist mit oder ohne Kinder ein oftmals herausforderndes Anliegen. Viele sind mit einer Arbeitswelt konfrontiert, die vollen Einsatz, permanente Verfügbarkeit und häufig eine hohe Mobilität erfordert - aber auch Selbstverwirklichung und Sinnhaftigkeit bietet. Dabei auch noch als Paar und Familie glücklich zu sein, ist das Sahnehäubchen, das viele für unerreichbar halten.

Zeit

Das Projekt Doppelkarriere kann also zu einer hochkomplexen Herausforderung werden, die mit Romantik allein selten funktioniert. Vielmehr stellt man vielleicht irgendwann fest, dass zwischen Alltagsorganisation, Terminen, Hektik und Zeitdruck die Beziehungsqualität leidet. Denn meist fehlt Paaren im Alltag die Zeit, um gemeinsam zu planen, allen Bedürfnissen gerecht zu werden und nach Lösungen zu suchen, hinter denen beide stehen. So kann es zu Konflikten kommen – ausgesprochenen und unausgesprochenen.

Die schlechte Nachricht ist: Zeit fehlt sowieso. Und es ist die gute Nachricht: Wenn Ihnen Ihre Beziehung wirklich wichtig ist, halten Sie inne. Nehmen Sie sich die Zeit, um sich gemeinsam auszurichten und ein gemeinsames Verständnis der grundsätzlichen Lebensplanung und des Alltagsmanagements zu entwickeln.

Commitment

Wissen Sie noch, was genau Sie damals verwirklichen wollten? Wozu Sie still in Ihrem Herzen oder laut vor dem Standesbeamten "Ja, ich will!" gesagt haben? Finden sie ihr gemeinsames Commitment durch die Beantwortung folgender Frage:

Welche Werte wollen Sie mit Hilfe welcher Kompetenzen in ihrem Leben             GEMEINSAM verwirklichen?

Formulieren Sie einen Satz für ihre gemeinsame Mission im Leben. Wenn beide das gleiche Ziel ansteuern, werden Sie die Klippen auf dem Weg gut überwinden.

Alltagsplanung

Wenn der gemeinsame Weg klar ist, wird auch schneller deutlich, was dem dient, was zu kurz kommt und wo sich vielleicht auch überflüssig gewordene Routinen eingeschlichen haben. Schreiben Sie beide auf, was Sie in einer normalen Woche vom Aufstehen bis zum Einschlafen erledigen, in einer Art Stundenplan mit einer Spalte pro Tag. Markieren Sie, welche Aktivität Sie mögen, neutral finden oder welche Sie nicht mögen. Welche Bereiche finden sich in Ihrem Plan wieder und welchen Raum nehmen sie ein, wie groß sind die Anteile für Sie selbst und Ihre Bedürfnisse, für die Partnerschaft, die Familie, Freunde, Beruf, aber auch für Ihre Kreativität und Gesundheit?

Wie sieht Ihr Plan für Sie alleine aus? Gefällt er Ihnen? Wie ist es bei Ihrem Partner/Ihrer Partnerin? Welche Schlüsse können Sie daraus ziehen? Gibt es Aktivitäten die Sie untereinander austauschen wollen? Aktivitäten, die Sie ganz streichen wollen („Wozu eigentlich“)? Aktivitäten, die Sie delegieren wollen („Wieso eigentlich wir“)? Aktivitäten, die fehlen? Formulieren Sie klare Ziele und treffen Sie Vereinbarungen miteinander. Wenn Sie alles schriftlich fixieren, hilft dies, es auch tatsächlich umzusetzen.

Kommunikation

Das alles funktioniert natürlich nicht ohne eine wesentliche Grundlage: miteinander zu sprechen. Die Qualität der Kommunikation entscheidet über die Qualität der Beziehung. Wie viel sprechen Sie mit Ihrem Partner am Tag? Was wissen Sie (noch) darüber, was Ihren Partner momentan beschäftigt, wie er sich fühlt, was er braucht, was sich verändert hat? Zwei Punkte sind für Paare - in langjährigen Beziehungen und insbesondere mit zwei Karrieren und Kindern – entscheidend: Zeit für Kommunikation und die Art der Kommunikation. Ins Gespräch zu kommen, sich wirklich mitzuteilen, erfordert Raum und vielleicht ein wenig Übung. Insbesondere erfordert es jemanden, der mit seiner vollen Aufmerksamkeit zuhört. Haben Sie schon mal jemandem 45 Minuten lang aufmerksam zugehört, ohne dazwischenzureden? Und dann selbst dem anderen 45 Minuten lang von Ihnen erzählt, von Ihren Wünschen, Bedürfnissen oder einfach wie es Ihnen gerade geht? Genau das schlägt Michael Lukas Moeller in seinem Konzept der "Zwiegespräche" für Paare vor. Er plädiert für eine Kultur des regelmäßigen Austausches, in dem Paare über ihre verschiedenen Perspektiven auf die Beziehung ins Gespräch kommen.

Vieleicht wird es also Zeit für eine Verabredung. Mit dem Menschen, mit dem Sie Ihr Leben verbringen, zu dem Sie "Ja" gesagt haben. Mit dem Sie nicht nur zu zweit funktionieren wollten, sondern dem Sie immer wieder neu begegnen wollen.

Weiterführendes zum Thema:

Michael L. Moeller: Die Wahrheit beginnt zu zweit: Das Paar im Gespräch. rororo Verlag

2-Tages-Seminar „Doppelkarrierepaare – Beruf und Familie im Team“ am 16. und 17. Januar 2015. Mehr Infos und Anmeldung unter www.coaching-spirale.com

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