Mutter, Vater, Rollenbilder?

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Mutter, Vater, Rollenbilder?
Wie traditionelle Rollenbilder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beeinflussen

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine große Herausforderung, denn es gibt in der heutigen Zeit auf der einen Seite sehr viele Möglichkeiten, aber auf der anderen Seite keine klaren Regeln und Vorgehensweisen.
Wer alles könnte, hat schnell das Gefühl alles zu müssen.
Einen tollen, erfüllenden Job. Ein gutes Einkommen. Zeit und Kraft die Elternrolle gut auszuführen und damit auch für prächtige Kinder zu sorgen. Ein gute Beziehung und Partnerschaft. Und Zeit für eine gute Work-Live-Balance, sprich Sport oder Hobbies oder Freundschaften, die einem ganz allein gut tun und wichtig sind. Alles zu kriegen, ist jedoch nicht leicht.
Um nicht zu sagen: es ist ganz schön schwer. Damit sind wir schon mitten im Dilemma. Wie kriegt man das denn nun hin? Wie lautet das Rezept oder die Formel, um alles unter einen Hut zu bekommen und dabei glücklich zu sein? Sich nicht völlig zu überfordern und am Ende zusammenzuklappen?
Vereinbarkeit = Perfektion (Eltern Rolle + Berufstätige Rolle)?
Wie finden Sie diese Formel? Hilft Ihnen das weiter?
Nein, vermutlich nicht. Sie beinhaltet aber einen wichtigen Teil der Konzepte, die beeinflussen, ob Vereinbarkeit von Beruf und Familie für uns stimmig ist oder nicht. Es fällt Ihnen vermutlich schnell auf, dass „Perfektion“ ein sehr hoch hängender Maßstab ist. Was ist schon perfekt? Gut reicht vollkommen aus. Ok. Dann ersetzen wir also „Perfektion“ durch „Gut“. Aber was heißt das eigentlich? Wann ist es denn „gut“?
Was gut ist, kann jeder für sich selbst entscheiden. Wie oben bereits erwähnt, ist vieles möglich, was aber auch bedeutet, dass jeder sich selbst entscheiden sollte. Um hier die eigenen Position zu finden und nicht im „Meer der Möglichkeiten“ unterzugehen ist es sehr hilfreich, sich mit den Rollen von Mutter und Vater, aber auch berufstätiger Frau und berufstätigem Mann zu beschäftigen.
Was ist ein „guter Vater“, was eine „gute Mutter“?
Laut Definition des US-amerikanischen Anthropologen Ralph Linton (1936) stellt die soziale Rolle die Gesamtheit der einem gegebenen Status (z. B. Mutter, Vorgesetzter, Priester etc.) zugeschriebenen „kulturellen Modelle“ dar. Dazu gehören insbesondere vom sozialen System abhängige Erwartungen, Werte, Handlungsmuster und Verhaltensweisen. Diesen Anforderungen muss sich ein Sozialer Akteur entsprechend seiner Position stellen.
Die Mutter
Das "traditionelle" Mutterbild hat seinen Ursprung in der protestantischen Reformation, erlebte seine Blütezeit jedoch in den 50er und frühen 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Diese lange Tradition, die sich in Deutschland historisch einzigartig stark entwickelt hat, wirkt bis heute fort. Demnach sollten alle Frauen Mütter werden, da Mutterschaft als ihre Lebenserfüllung und als "Essenz" ihrer Weiblichkeit gesehen wurde. Aus ihr würden sie eine tiefe Befriedigung gewinnen: Mutterschaft sei eine ganz und gar positive Erfahrung.
Mütter sollten verheiratet sein und ihren Beruf zugunsten ihrer Kinder aufgegeben haben, also Hausfrauen sein. Sie sind nahezu ausschließlich für die Erziehung, Versorgung und Betreuung der Kinder zuständig, da sie hierfür am besten geeignet seien: Sie wären von Natur aus liebevoll, selbstlos, fürsorglich, treusorgend, empathisch, zärtlich, emotional, aufopferungsbereit, familienorientiert usw.
So wäre es ganz "normal" und „natürlich“, wenn sie sich intensiv um ihre Kinder kümmern. Zudem benötigen Säuglinge und Kleinkinder für eine gesunde Entwicklung die vollkommene Präsenz ihrer Mütter - wofür u. a. die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Bindungstheorie und klassischen Psychoanalyse sprechen. Sie könnten sich nur positiv entwickeln, wenn Mütter ihren Bedürfnissen die höchste Priorität einräumen, sich ihnen anpassen und sich emotional stark für sie engagieren.
Der Vater
Väter sollten im Gegenzug und ebenfalls der „Natur“ folgend für folgendes zuständig sein: Kultur, alles Geistige, Autorität, Gesetz und Ordnung, sie sind für das Kind immer ungewiss. Die Aufgabe des Vaters war nach Römischen Recht und im Christenrum die Trennung von Mutter und Kind (Gesetz d. Inzest). Die dem traditionellen Rollenbild folgende Hauptaufgabe des Vaters ist die materielle Absicherung und Ernährung der Familie.
Diese traditionellen Rollenbilder wurden durch die deutsche Politik seit der Weimarer Republik kontinuierlich gefestigt – und werden es noch heute durch Maßnahmen wie das Ehegattensplitting oder das Betreuungsgeld. Wie groß die Wirkung dieser Politik und gesellschaftlichen Werteentwicklung ist, erkennt man an den unterschiedlichen Situationen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in anderen europäischen Ländern. Allein Menschen, die in der DDR sozialisiert wurden, haben zu vielen Themen der Vereinbarkeit andere Einstellungen, als westdeutsch Sozialisierte.
Ein persönliches Modell
Um sich selbst klar darüber zu werden, wie man sein persönliches Modell der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gestalten möchte, ist es gut, sich dieser historischen Entwicklungen bewusst zu sein. Dazu kommt aber, mit einer noch größeren Bedeutung, die ganz persönliche Geschichte rund um die Rollen von Mutter, Vater und berufstätigen Eltern.
Was ist für Sie eine gute Mutter? Ein guter Vater? Unter welchen Bedingungen geht es Kindern gut? Wie haben Ihre Eltern diese Rollen ausgefüllt? Wie ist es Ihnen damit ergangen und wie bewerten Sie das Modell Ihrer Eltern heute? Gibt es andere Vorbilder oder Beispiele, die Sie sehr geprägt haben?
All diese Fragen und Ihre Antworten, bringen Sie näher zu dem Modell, das Ihre innerliche Richtschnur ist. Wenn Sie diese Richtschnur kennen, wenn Sie wissen, welche Anforderungen Sie selbst an sich stellen, können Sie sich entscheiden, ob Sie diese erfüllen wollen oder nicht. Sie können sich bewusst auf das konzentrieren, was Ihnen wichtig ist und erkennen die Stolpersteine, die Ihnen das Unbewusste bisher in den Weg gelegt hat. Wollen Sie nun drüber springen, drum herumlaufen oder sie zur Seite schieben?  Es ist vieles möglich!
Am 27./28. Juni 2014 findet das Seminar „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ statt. Es bietet Struktur und Rahmen, um mit Unterstützung von zwei professionellen Coachs, aber auch der Gruppe von Teilnehmern, ein persönliches Konzept von Beruf und Familie zu entwickeln. Für Klarheit und Freude bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

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