The Power of the Heart - mit dem Herzen denken

| von Christin Colli

Im Januar 2015 schlossen 10 Absolventen nach fast einem Jahr die 1. Coachingausbildung in Chile ab. Diese Ausbildung war für meine Arbeit als auch für mich persönlich eine sehr beglückende Erfahrung. In Santiago fühlte ich mich in einem energetischen Feld, welches Transformation irgendwie einfacher geschehen ließ. Die Teilnehmer unserer Ausbildung gehen immer durch intensive eigene emotionale Erkenntnisprozesse, doch in Chile erlebte ich diese als noch kraftvoller. Mein Eindruck war, dass deren Herz offener und dadurch einfacher zu berühren war. Dies kann ich zukünftig im didaktischen Aufbau von Coaching in Chile berücksichtigen. Dazu wollte ich mehr über die Funktionsweise des Herzens verstehen, um unser Coachingkonzept entsprechend anzupassen. Bei meinen Recherchen stieß ich auf sehr Interessantes.

In Kalifornien gibt es das „Institute of Heartmath“, welches seit mehr als 20 Jahren als eine unabhängige, gemeinnützige Organisation das Zusammenspiel von Herzrhythmus, Emotionen, Gedanken und Stress erforscht. Es widmet sich den Themen Stressbewältigung, emotionale Intelligenz und mentale Stärke, um Menschen zu helfen mehr Vitalität und Lebensfreude zu gewinnen. Dazu entwickelte das Institut wissenschaftliche Methoden, Instrumente und Coachings. Ich möchte im Folgenden einige dieser Forschungsergebnisse vorstellen:

Wenn wir die biologische Entwicklung eines Menschen im Mutterleib betrachten, ist das Herz das erste Organ, welches sich ausbildet, während der Fötus im Mutterleib heranwächst. Später bilden sich um Herz und Gehirn je ein elektromagnetisches Feld. Das elektrische Feld, welches durch das Herz entsteht, ist 100 Mal stärker als jenes des Gehirns. Und wer hätte das gedacht: das magnetische Feld, welches das Herz generiert ist sogar 5000 mal stärker.

Außerdem widerlegten Forscher die Annahme, dass ein gesundes Herz regelmäßig schlagen würde. Sie stellten fest, dass weder ein gesundes, stressfreies Herz, noch ein Sportlerherz ganz regelmäßig pulsiert. Der Rhythmus wird vielmehr durch den emotionalen Zustand eines Menschen beeinflusst. So gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Herzrhythmus einer Person und deren emotionalen Zustand und offenbar schlägt es regelmäßiger, wenn wir uns gut fühlen. Dies kann man mit einem Elektrokardiogramm messen und bildlich darstellen.

Sind wir frustriert, aufgeregt oder verärgert, ergibt sich dabei ein unregelmäßiges, schnelles, chaotisches Zickzack-Muster mit vielen spitzen Ausschlägen. Man kann buchstäblich sehen - das Herz ist nicht im Einklang mit sich selbst. Es ist, als würde man in einem Auto sitzen, ein Fuß auf dem Gaspedal, der andere zur gleichen Zeit auf der Bremse, ständig die Spuren wechselnd, um dennoch schneller vorwärts zu kommen. Mal abgesehen davon, dass dies sehr anstrengend ist, verbrennt es auch viel mehr Energie und tut dem ganzen System nicht gut. Die Folge sind zum Beispiel Rücken -oder Kopfschmerzen. Wir haben nicht das Gefühl, irgendwas unter Kontrolle zu haben, fühlen uns unklar und sind nicht in der Lage, weise und effektive Entscheidungen für uns zu treffen. Wir fühlen uns unverbunden und getrennt. Und tatsächlich haben wir uns von unserem Zentrumsorgan abgeschnitten. 

Fühlen wir uns dagegen gewürdigt und gesehen, in einem Zustand der Dankbarkeit, so zeichnet das Herzmessgerät ein eher gleichmäßiges, breiteres, also langsameres Wellenmuster von klarer Struktur auf. Wenn wir uns gut fühlen und in Verbindung zur Umwelt, dann kreiert unserer Körper einen Zustand von psychophysiologischer Kohärenz, ein Zustand der Harmonie zwischen Körper, Verstand und Emotion auf hohem Energieniveau. Folge davon ist, dass wir uns innerlich ruhig, doch ausgerichtet und stark fühlen, wach bei allem, was wir denken, fühlen und tun. Alle Prozesse in unserem Körper laufen besser. Wir spüren Synchronizität und Frieden in uns als auch um uns herum. Wir sind bereit Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen. Wir können Probleme lösen und der Körper spielt mit.

Kohärenz (engl: Coherence) ist eigentlich ein Zustand, nach dem wir uns sehnen. Dennoch gibt es offenbar viele äußere Faktoren, auch unbewusste Überzeugungen, die es uns erschweren, diesen Zustand herzustellen. Aber es ist möglich: Bei einem weiteren Experiment, welches das „Institute of Heartmath“ durchführte, war es so, dass zuerst die Versuchspersonen für 300 Sekunden in einen Zustand von Stress gebracht wurden. Dabei wurden ihr Blutdruck, der Pulsschlag und der Atemrhythmus gemessen. Nach Ablauf der Zeit wendeten die Probanden eine spezielle Technik an, welche sie vorher erlernt und einstudiert hatten. Mit dieser Technik gelang es ihnen sofort Atem, Herzrhythmus und Blutdruck zu stabilisieren, was die Scanner an den Messgeräten belegten. Dieses Ergebnis war möglich u.a. durch tiefes, bewusstes Atmen sowie das Erinnern und Erfühlen liebevoller Ereignisse.

Alte Hochkulturen wussten um die viel größere Bedeutung unseres Herzens im Vergleich zum Verstand, als Zentrum unseres Seins, als Ort der Weisheit. Und auch Wissenschaftler beginnen allmählich zu verstehen - das Herz ist nicht einfach nur eine Pumpe. Neokardiologische Forschungsergebnisse belegen: Das Herz produziert ein Hormon, Oxytocin, auch bekannt als das Bindungs- oder Liebeshormon. Es ermöglicht uns das Empfinden von Mitgefühl und Liebe. Das Herz ist ein sehr intelligentes System, welches man nutzen kann. Es bildet ein eigenes Netzwerk von 40.000 Nervenzellen, die eigenständig agieren, wie ein eigenes Gehirn und auch Entscheidungen treffen. Die Wissenschaft beginnt ebenso den mächtigen Einfluss zu verstehen, welchen das elektromagnetische Feld um das Herz herum nicht nur auf unseren eigenen Körper hat. Es wird klar, dass es auch einen stärkenden Effekt auf andere Personen um uns herum ausüben kann. Das Herz ist der Schlüssel, um die Arbeit unserer Emotionen zu verstehen und Zugang zu unserer Intuition zu bekommen. Es reagiert nicht nur auf äußere Signale, sondern sendet auch selbst. Dieses Empfangen und Senden kann sehr deutlich unsere Stimmung von Moment zu Moment beeinflussen. Interessant ist auch das Ergebnis, dass das Gehirn viel öfter Befehle, die vom Herz kommen, ausführt als umgekehrt. Mit diesen Herzensentscheidungen wiederum können wir meist länger gut leben. Außerdem funktioniert das Gehirn besser, wenn wir uns vom Herz führen lassen. Das Zusammenspiel von beiden Systemen erhöht die kognitive Leistungsfähigkeit, führt zu besserem Erinnerungsvermögen, wir können uns Dinge besser merken, uns länger konzentrieren, sind aufnahmefähiger. Wenn wir uns erlauben, uns vom Herzen leiten zu lassen, sind wir in der Lage besser den Sinn hinter der jeweiligen Erfahrung zu verstehen und können so leichter die Lektion der jeweiligen Erfahrung annehmen und daraus lernen.

Betrachtet man den anatomischen Aufbau von Herz und Gehirn, so besteht das Herz aus mehreren Kammern, die aber nicht getrennt voneinander sind. In seinem Herzen zu leben, bedeutet demnach auch ganzheitlicher zu denken und sich mit dem Einheitsbewusstsein zu verbinden. Das Gehirn bestehend aus zwei getrennten Gehirnhälften, steht dabei für Dualität.

Vielleicht ist es ja kein Zufall, dass gerade in den letzten Jahren Wissenschaftler diese Entdeckungen machten - befinden wir uns doch kollektiv in einer Epoche, in der die Mehrzahl der Menschen verstandesgesteuert lebt und wir uns nun langsam der Folgen davon bewusstwerden.

Doc Childre, Gründer des Heartmath Institute, glaubt, dass die Intelligenz des menschlichen Herzens eine sehr entscheidende Kraft ist, die Menschheit weg von den zerstörerischen Zyklen von Stress und Konflikt hin zu einer Zukunft mit dauerhaftem Frieden und Harmonie zu führen. Dem schließe ich mich gern an.

 

Quellen:

https://www.heartmath.org/

http://thespiritscience.net/

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