Sag mir wo die Männer sind

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Das Team der Coaching Spirale ist ein Frauenteam – Irritation inbegriffen

"Was unterscheidet Ihre Ausbildung von anderen Instituten?", fragte jüngst eine Frau am Telefon, die sich für unsere Coachingausbildung interessierte. Wir besprachen detailliert unser Ausbildungskonzept, dann resümierte die Interessentin: "Naja, und außerdem sind sie ausschließlich Frauen!"

Immer wieder begegnet uns diese Frage: Warum arbeiten bei Ihnen nur Frauen? Manch einer verpackt es als Feststellung: "Mir ist aufgefallen, bei Ihnen arbeiten ja keine Männer..." Fakt ist, die Tatsache, dass unser Team weiblich besetzt ist, scheint zu verwundern.

Weil die Frage wiederholt auftaucht, werden von uns immer wieder Antworten erwartet. Und wir haben festgestellt – so einfach fallen uns diese nicht.

Das liegt vielleicht daran, dass wir zu sehr damit beschäftigt sind, uns über die Frage selbst zu wundern. Es ist ein bisschen traurig, dass ein reines Frauenteam noch immer irritiert. Und es zeigt, dass diese Konstellation alles andere als gewöhnlich ist. Oder haben Sie sich schon mal darüber gewundert, dass in einer Firma ausschließlich Männer arbeiten? Hand aufs Herz – Nein, oder?

Die Coaching Spirale wurde gegründet von Alexandra Schwarz-Schilling, Christin Colli ist die zweite Geschäftsführerin. Damit ist die Führung weiblich, dennoch gibt es keine geschlechtsspezifische Mitarbeiterpolitik. Wir hatten in der Vergangenheit auch männliche Mitarbeiter im Büro und im Coachingteam. Alle unsere Coaches sind in der Coaching Spirale ausgebildet. In unserer Coachingausbildung ist der Frauenanteil  höher – das wiederum bildet sich in unserer derzeitigen Teamzusammensetzung ab.

Die Männerquote in der Coachingausbildung liegt bei höchstens 25 Prozent – und auch an den meisten Seminaren nehmen weniger Männer teil. Nur beim Seminar „Beruf und Berufung“ ist das Verhältnis oft ausgewogen. Im Einzelcoaching ist der Männeranteil dagegen hoch. Das sind Tendenzen, die seit Jahren stabil sind.

Wie aber sind diese Verhältnismäßigkeiten zu erklären?

Wir sind mit unserer Zusammensetzung für Frauen auf jeden Fall attraktiv. Wir sind ein frauengeführtes Unternehmen und damit Rolemodel, denn es gibt immer noch sehr wenige rein frauengeführte Unternehmen.  Rein männergeführte Unternehmen fallen dagegen überhaupt nicht auf – niemandem. Frauen sind es gewöhnt sich an Männern zu orientieren, für Männer ist es eher neu, sich an Frauen im Beruf überhaupt orientieren zu können.

Zusätzlich scheint es ein generelles Phänomen zu sein, dass sich mehr Frauen als Männer für Coachingweiterbildungen interessieren.

Unser Coachingansatz integriert die Arbeit auf persönlicher Ebene, das bedeutet, wir trennen auch im Businesscoaching nicht zwischen dem Privatmensch und Businessmensch – weil uns diese Trennung künstlich erscheint. Wir sind in allen Kontexten unseres Lebens zu allererst einmal Mensch mit den dazugehörigen Bedürfnissen und Gefühlen, die wahrgenommen und ausgedrückt werden wollen. So können wir die Ergebnisse erschaffen, die wir uns in unserem Leben, unserer Firma oder unserer Beziehung wünschen. Diese Sichtweise ist in unserem Marketing sehr präsent.

Man könnte also sagen, die Frage, wer sich zu einem Seminar oder unserer Coachingausbildung anmeldet,  hängt von der Bereitschaft ab, sich persönlich einzulassen. Vielen Frauen fällt das anscheinend immer noch leichter als Männern. Es gibt in unserer Gesellschaft nicht viele Räume, in denen Männer dazu eingeladen werden, sich authentisch mit ihren Gefühlen und  Bedürfnissen auseinanderzusetzen und zu zeigen. Auch deshalb ist es für Männer immer noch einfacher, im Einzelcoaching persönlich zu werden als in einer Gruppe.

Das ist ob des gesellschaftlichen Klimas verständlich und dennoch schade. Denn sowohl wir als auch unsere Ausbildungs- und Seminarteilnehmer stellen immer wieder fest, wie gut es ihnen tut, sich in der Gruppe zu erleben. Oft sind Männer beeindruckt vom Erkenntnisspektrum, das sich eröffnet, wenn sie sich trauen "persönlich zu werden".  Und auch Frauen tut es gut, Männer so zu erleben.

Wir freuen uns über jeden Mann, der sich zu uns wagt. 

Soweit unsere Überlegungen zum Thema – haben Sie noch andere Gedanken dazu? Wir freuen uns über Feedback!

 

2 Kommentare

Maik Dietrich |

Liebe Alexandra, liebe Christin, der aktuelle Newsletter war wieder Anlass für mich, auf eurer domain zu stöbern. Eure Seiten sind wirklich sehr gelungen, ästhetisch und inhaltlich sehr ansprechend. Den Blog finde ich auch ein tolles Instrument. Und siehe da, ich war auch überrascht, wie groß euer Team mittlerweile geworden ist UND das in der Tat, keine Männer präsent sind. Ich verstand das als einen klaren Ausdruck nach außen. Also eine gezielte "Firmenpolitik". Den Artikel hier zum Thema "Coaching-Spirale-Team ist ein reines Frauenteam" habe ich mir natürlich sofort durchgelesen.
Und ich nutzte die Gelegenheit gleich für ein direktes feedback: Alle Aussagen zum Thema reines Frauenteam vs. reines Männerteam und unsere persönlichen Bewertungen darüber in unserer Gesellschaft kann ich gut nachvollziehen. Beim Anfang des Artikels hatte jedoch die Erwartungshaltung, dass die Frage..."wieso ein reines Frauenteam?"...auch beantwortet wird. Zumindest auch mit einem Statement in Form von, ja klar. ist genau so beabsichtigt. Diese Antwort und auch das Statement fehlen mir.
Hätte ja auch sein können, dass die Teamsstruktur so auch beabsichtigt ist ;)
Ihr also ein Angebot an die Gesellschaft vom Standpunkt der Frau machen wollt. Ihr also bewusst das Team so gestaltet. Im Artikel höre ich jedoch, die Aussage, "nein: liegt eher an bestimmten Gründen (wie Bereitschaftsinteresse sich persönlich einzulassen, ist bei Männern statistisch geringer, -auch gerade in Gruppen- etc.) Heißt das, ihr "wollt" Männer im Team, sie kommen aber nicht? Hmm ;)
Was mir noch ins Auge sprang, war folgender Satz: "Wir freuen uns über jeden Mann, der sich zu uns wagt. " Das klingt -für mich- mehr nach Herausforderung, denn nach Einladung.
So, das war mein "Wagnis" euch in Liebe mein Feedback mitzuteilen. Und ich freue mich auf Fortsetzung unserer Begegnungen und unseres Austauschs. Herzliche Grüße Maik

Alexandra Schwarz-Schilling |

Lieber Maik,

vielen Dank für dein Feedback. Schön, dass Dir unserer Seiten gefallen, das freut uns sehr. Danke auch für dein Feedback zum Artikel. Da es tatsächlich keine gezielte Firmenpolitik von uns ist, ein reines Frauenteam zu sein, können wir ein solches klares Statement wie du es dir gewünscht hättest nicht machen. Es war eher der Versuch Antworten zu finden, auf Fragen, die wir immer mal wieder gestellt bekommen und Herausforderungen sind ja etwas, was Männer eigentlich mögen :-) Dennoch betone ich hier noch mal, dass wir uns wirklich über Männer freuen, sowohl in unserer Ausbildung als auch bei uns im Team. Diejenigen, die den Weg zu uns gefunden haben fühlen sich in der Regel ausgesprochen wohl :-), so wie du es ja denke ich auch getan hast. Ganz herzliche Grüße zurück von Christin und mir, Alexandra

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