Was hat #MeToo mit der natürlichen Welt zu tun?

| von Alexandra Schwarz-Schilling

von Alexandra Schwarz-Schilling

 

Der #MeToo Hashtag hat tatsächlich einiges in Bewegung gesetzt. In den sozialen Medien erscheinen jeden Tag mehrere Artikel zum Thema, die unterschiedliche Aspekte beleuchten. Erfreulicherweise melden sich auch immer mehr Männer zu Wort und liefern kluge und bedachte Beiträge.

Der Tenor:

  • Ja, Männer haben ein Problem
  • was viele Männer normal finden, ist ein Problem
  • es wird Zeit das zu ändern

Das Neue daran ist, dass kaum jemand (natürlich gibt es Ausnahmen) wagt, zu widersprechen. Die vielen Ablenkungs- und Abwehrversuche, die sonst solche Debatten schnell zum Verschwinden gebracht haben werden jetzt als das enttarnt was sie sind: Versuche vom eigentlichen Thema abzulenken und das eigentliche Thema ist, dass es eine echte Veränderung in der Wahrnehmung von Männern, von sich selbst und ihren Mitmenschen braucht.    

Männerexperte Markus Theunert erklärt im Interview mit Blick.ch was sich jeder Mann fragen sollte, wenn er unsicher ist: „Bin ich in Kontakt mit dem Gegenüber? Nehme ich das Gegenüber als Subjekt wahr – oder mache ich es zum Objekt meiner Begierde? Solange ich bezogen handle, also in Kontakt mit dem Gegenüber bin, ist die Gefahr eines Übergriffs minimal. Wenn ich hingegen unbezogen handle, hat der Übergriff schon begonnen.“

Dabei weist er auf einen wichtigen Punkt hin: Kontakt. Im Kontakt bin ich mit einem Subjekt. Ein Objekt hingegen kann ich begehren, belästigen, besitzen, verstoßen, verkaufen, und und und.

Wir wissen, dass Frauen jahrtausendelang ganz offiziell zu Objekten gemacht wurden. Durch die vielen sexuellen Belästigungen und andere, subtilere Varianten von Dominanzgebaren wissen wir, dass diese Haltung immer noch weit verbreitet ist. In der Regel sind Männer untereinander auch nicht zimperlich, dass deutlich zum Ausdruck zu bringen. In diesen reinen Männergesprächen existieren Frauen oft nur als Objekt. In den Sprüchen und der Sprache sind die Übergriffe dann schon vollzogen. „Die Körper der Frauen werden missachtet, wenn sie nicht gefallen, und sind schon Besitz, wenn sie gefallen.“, formuliert Matthias Kreienbrink treffend, Journalist und Autor bei Edition F.

Wir wissen natürlich auch, dass Bezogenheit Männern immer noch abtrainiert wird. Besonders Männer, die hauptsächlich in gleichgeschlechtlichen Gruppen aufwachsen lernen weder Aufmerksamkeit für die eigene Innenwelt zu entwickeln noch Empathie für andere Menschen. Beides gehört nicht zum klassischen Männerbild. Bezogenheit und Empfindsamkeit werden als „unmännlich“ abgewertet.

So weit so gut, wir wissen wo die Baustellen sind. Tatsächlich sind jetzt die Männer und die Männerexperten gefordert sich dem entgegenzustellen und Alternativen sichtbar zu machen.

Wenden wir uns nun einer anderen Frage zu. Was hat die Übergriffigkeit und das Dominanzgebaren von Männern mit dem Zustand unseres Planeten zu tun? Ich behaupte eine ganze Menge. Ist doch das Kernproblem genau dasselbe. Die natürliche Welt wird als Objekt gesehen und nicht als Subjekt. Das erlaubt uns Menschen alles Mögliche mit ihr „zu tun“. Wir dürfen die Natur und alle nicht menschlichen Wesen (manchmal auch diese, wenn sie weiblich sind) ausbeuten, quälen, erniedrigen, verschmutzen, zerstören, besitzen, benutzen und wegwerfen.

Wir gehen nicht in Kontakt, wir beziehen uns nicht auf sie. Wie denn auch – die natürlich Welt ist in unserer Vorstellung ja eine Objektwelt (bis auf unsere Haustiere vielleicht) und deshalb ist unser Umgang mit ihr entsprechend. Manchmal kann ich mich nicht zurückhalten und sage, dass wir die Erde und die natürliche Welt wie eine Prostituierte behandeln. Wir behandeln sie besonders schlecht, weil wir sie einerseits benutzen und gleichzeitig dafür verachten, dass es möglich ist, das zu tun. Unser Handeln geschieht dabei genauso unbewusst und automatisiert wie bei Männern, die Frauen als Objekte wahrnehmen.

Die Gründe für diese automatisierten Reaktionen führen weit in der Vergangenheit und erfordern weitere Auseinandersetzung. Wir können dennoch zumindest beginnen, zur Kenntnis zu nehmen, dass ein pyramidenhaftes hierarchisches Denken, Fühlen und Handeln extrem dazu verführt, alles was ich in der Hierarchie unter mir wähne, zu Objekten zu degradieren mit den entsprechenden Folgen: ich will mich nicht mit Ihnen identifizieren und deshalb weigere ich mich, mich in sie einzufühlen, bzw. ihnen überhaupt Gefühle oder anders gesagt eine eigene Perspektive zuzugestehen.

Intelligenten, reflektierten Menschen im 21. Jahrhundert sollte zunehmend klarwerden, dass es dafür dringend Alternativen braucht, wenn wir als Menschen auf diesem Planeten überleben wollen. Der Rückgang von über 80% der Insekten in Deutschland in den letzten 30 Jahren ist nur eines der vielen Alarmsignale, die uns die natürliche Welt die ganze Zeit sendet. Solange wir auf diesen Kanälen taub sind benehmen wir uns alle wie diese ignoranten Kerle, die jetzt endlich mit ihrer Ignoranz nicht mehr so einfach davonkommen.  

 

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