Weihnachten, Rauhnächte, Innehalten - oder doch eher Stress?

| von Alexandra Schwarz-Schilling

Der Dezember ist ja schon ein besonderer Monat, geprägt von widersprüchlichen Energien. Für viele ist - gerade auch im beruflichen Kontext - hauptsächlich Jahresendhektik präsent. Andere leiden unter Vorweihnachtsstress mit vielen Verpflichtungen. Gleichzeitig ist der Dezember der Monat, der in uns die Erwartung weckt innezuhalten, die besondere Qualität der Advents- und Weihnachtszeit zu genießen, Weihnachtsfeiern und gemütliche Stunden bei Kerzenschein zu erleben und "besinnlich" zu sein, was auch immer das im Einzelnen heißen mag. Ein ganz schöner Spagat also, den wir da hinlegen sollen.

Oft hoffen wir, dass der ganze Stress dann mit den eigentlichen Weihnachtstagen vorbei sein wird und wir dann "zwischen den Jahren" endlich zur Ruhe kommen. Bei manchen ist das auch so. Bei vielen auch nicht.

Die Aufforderung nach Innehalten und Innenschau an den dunkelsten Tagen des Jahres hat lange Tradition, die weit in die vorchristliche Zeit reichen. Die Rauh- oder Rauchnächte sind aber auch im christlichen Kontext verbreitet.  In den letzten Jahren erfreut sich diese Tradition wieder zunehmender Beliebtheit.

Die Rauhnächte waren bei unseren Vorfahren heilige Nächte. In ihnen wurde möglichst nicht gearbeitet, sondern nur gefeiert, wahrgenommen und in der Familie gelebt. Diese Rauhnächte gingen immer von Nacht zu Nacht, also von 24 Uhr bis 24 Uhr.

Seinen Ursprung haben sie vermutlich in einer Zeit, als unsere Zeitrechnung sich noch nach dem Mond richtete. Ein Mondjahr besteht aus 354 Tagen, zu den 365 Tagen des Sonnenjahres fehlen also zwölf Nächte. Diese Nächte werden mit den Rauhnächten gleichgesetzt. Da sie sich „außerhalb der Zeit“ befinden, gelten sie als mystisch und magisch: Das Schicksal kann neu ausgehandelt und die Zukunft vorausgesagt werden. Unsere Redewendung "zwischen den Jahren" ergibt plötzlich noch mal einen anderen Sinn.

Die 12 Tage und Nächte, die als Rauhnächte bezeichnet werden, begannen ursprünglich am 21. Dezember zur Wintersonnenwende und endeten Anfang Januar. In christlicher Tradition beginnen sie am 24. Dezember und gehen bis zum 06. Januar. Je nach Land, Region und Überlieferung werden weitere Tage hinzugenommen.

So scheint es, dass sich die Qualität des neuen Jahres in dieser Zeit offenbart. Alte Strukturen werden aufgebrochen, damit neue entstehen können. In der Zeit der Rauhnächte stehen die Tore zu anderen Welten offen.

Der Sinn dieser Zeit besteht, im eher spirituellen Sinne, in innerer Reinigung und Klärung, und in einer Vorschau auf das kommende Jahr. Wer sich bewusst in die Zeitenergien der Rauhnächte einschwingt, wird über nächtliche Träume, spontane Impulse und Erfahrungen viele Hinweise auf eigene Themen, das kommende Jahr und wie es für einen sein wird, erhalten.

Wer diese Zeit bewusst für sich nutzen möchte, ist gut beraten, Notizen und Impulse schriftlich festzuhalten:

Am Morgen: Notieren Sie sich die Traumerinnerungen oder das Gefühl, das morgens, beim Aufwachen, noch präsent ist. 

Am Abend: Zünden Sie eine Kerze an und lassen Sie den Tag mit seinen Ereignissen vorbeiziehen.

Fragen, die Sie sich stellen können:
Wie war das Wetter?
Wie war die Stimmung?
Welche Menschen habe ich getroffen?
Wer hat angerufen?
Welche Post ist gekommen?
Was ist mir an diesem Tag widerfahren?
Was ist mir besonders aufgefallen?
Welche Zeichen, Tiere oder Botschaften sind mir begegnet?
Achten Sie auf alles, was Ihnen auffällt, auch auf Kleinigkeiten.

Viel Spaß beim Innehalten - beim Genießen - und frohe Weihnachtszeit wünschen wir allen unseren Lesern.

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