Ziel erreicht - und dann?

|

Wozu setzen Menschen sich Ziele? Ziele spornen an, Ziele machen messbar, sie geben eine Ausrichtung und sie geben unserem Leben einen Sinn. Tatsächlich ist wahre Zufriedenheit eine Folge davon, zu wissen, was man will und seinen Fokus darauf zu richten. Dies ist nicht etwa gleichzusetzen mit dem Erreichen von Zielen. Da gibt es einen kleinen aber feinen Unterschied, den zu beachten sich lohnt.

Viele Menschen setzen unbewusst die Erreichung ihrer „Haben“ – Ziele (Position, Gehaltsstufe, Auto, Haus, Partner/ Partnerin) mit „Seins“- Qualitäten wie Zufriedenheit und Glück gleich. Das erhoffte Glücksgefühl stellt sich jedoch auch nach Erreichen des Ziels bestenfalls für kurze Zeit ein, dann greift der Motor nach dem nächsten Ziel zu streben. Das Erreichte erscheint schnell selbstverständlich. Gerade Menschen, die sich nach Zufriedenheit und Gelassenheit sehnen sind im Alltag durch Unzufriedenheit getrieben und sorgen so unbewusst dafür, dass das Glück immer in der Zukunft lockt, aber nicht wirklich im Hier und Jetzt erfahren wird. Das Glück ist immer genau da, wo ich nicht bin. Wenn ich erst dies und jenes erreicht habe, dann werde ich glücklich sein – hoffen wir. So jagen viele Menschen ein Leben lang Zufriedenheit und Erfüllung hinterher.

Zufriedenheit und Erfüllung sind Qualitäten, die nur ihm Hier und Jetzt erschaffen und erfahren werden können. Sie entstehen beim Tun, nicht durch Ergebnisse. Deshalb sind sie unabhängig vom Erreichen irgendwelcher Ziele. Dieses kleine Missverständnis hat enorme Auswirkungen. Dadurch, dass wir unser Glück und unsere Zufriedenheit automatisch an Zielerreichung in der Zukunft knüpfen, befürchten wir umgekehrt, dass wir Versager sind, wenn wir unsere Ziele nicht erreichen. Dies führt dazu, dass wir Ziele entweder gar nicht oder nicht klar und eindeutig formulieren, sondern uns jede Menge Hintertüren offen lassen, um eben nicht eindeutig daran gemessen werden zu können.

Unklare Zielformulierung drückt sich entweder in Stichpunkten aus, anstatt in ganzen vollständigen Sätzen, in denen „Ich“ als Subjekt vorkommt. Weit verbreitet sind Formulierungen wie „würde gerne, will, könnte, hätte“. Auch werden Ziele oft in der Zukunft formuliert, anstatt in der Gegenwart, was ihre Erreichung stark erschwert oder es werden vage Zeiträume angegeben wie etwa „in 2 Jahren“ (in zwei Jahren ist z.B. immer bzw. nie), anstatt eines konkreten Datums.

Bei solchen vagen Formulierungen sind die Hintertüren so weit offen, dass die ganze Energie, die nötig wäre um sich auf den Weg zu machen (und auf diesem Weg bereits Zufriedenheit und Erfüllung zu erfahren) durch genau diese Hintertüren abfließt. Die Konsequenz sind untergründige Unzufriedenheit und Unschlüssigkeit. Man hat jede Menge Gründe, dass Glück in eine vage Zukunft zu verlagern, wenn überhaupt.

Klar formulierte eindeutige Ziele, in der Gegenwartsform abgefasst, mit konkretem Datum und „Ich“ als Subjekt konfrontieren uns mit uns selbst. Wir hören auf rumzueiern und überlegen uns: „Was will ich wirklich?“ Dann dienen Ziele als Inspiration, als Wegweiser und können so ihre eigentliche Kraft entfalten. Mit geschlossenen Hintertüren haben wir unsere gebündelte Energie zur Verfügung. Dann haben wir erstmals die Chance wirklich unseren Fokus darauf zu richten und dabei Zufriedenheit zu erfahren.

0 Kommentare

Zurück

Einen Kommentar schreiben

*Pflichtfeld | Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Sämtliche Kommentare werden erst nach Freigabe durch die Coaching Spirale GmbH angezeigt.