Chile wachte auf

9. Jan, 2020

Claudio Acuña | Autor

Es ist fast 2 Jahre her, dass ich nach Berlin gezogen bin. Davor lebte ich 24 Jahre in Santiago, der Hauptstadt von Chile. Chile ist eines der erdbebenreichsten Länder. Doch Santiago ist eine moderne Stadt, voller neuer Gebäude und dem höchsten Gebäude Lateinamerikas – eine Stadt mit großer Lebendigkeit und Möglichkeiten, in der fast die Hälfte der chilenischen Bevölkerung lebt, um bessere Arbeitsmöglichkeiten und eine höhere Lebensqualität für ihre Familien zu finden, zumindest ist das die Hoffnung.

In all den Jahren habe ich gesehen, wie sich Santiago veränderte und gewachsen ist. Jetzt ist es voll von Supermärkten, Einkaufszentren, Kinos, Restaurants, Dienstleistern, Autobahnen, Uber, usw. Aber ich habe auch wahrgenommen wie Bildung, Gesundheit und Grundversorgung mit Wasser und Strom in ein sehr lukratives Geschäft umgewandelt wurden, das sich in den Händen privater Unternehmen befindet.

Darüber hinaus gab es in den letzten sechs Jahren einen massiven Zustrom peruanischer, venezolanischer, kolumbianischer und insbesondere haitianischer Einwanderer, die alle in Chile hoffen, die Oase Südamerikas, gefunden zu haben.

Im Oktober 2019, als der soziale Aufbruch in Chile begann, war ich in Berlin und meine Augen konnten zuerst nicht glauben, was sie sahen. Chile protestierte mit Demonstrationen auf den Straßen nicht nur in Santiago, sondern im ganzen Land, in allen Städten. Der Auslöser war der Preisanstieg der U-Bahn-Fahrkarte um 30 Pesos (0,04 €). Es stimmt, 30 Pesos sind nicht viel, aber es war der eine Tropfen, der über das Glas floss und der ausreichte, um zu einem politischen und wirtschaftlichen System, das nur einige wenige privilegiert hat, Nein zu sagen.

Ich fragte mich schon oft, warum der typische Chilene üblicherweise so leise und schüchtern war und nicht direkt wagte, Dinge klar anzusprechen – aber dieses Mal sah ich etwas anderes. Ein Chile, das es leid war, als dumm verkauft zu werden, ein Chile, das genug von einem missbräuchlichem System hatte, genug von einer Politik, die Dinge verspricht und nicht erfüllt, von den großen Geschäftsleuten, die unser Land verwüsten, im Grunde ein Chile, das endgültig die Ungleichheiten und den Machtmissbrauch satt hat und wirklich eine Veränderung einfordert.

Aus der Ferne kam es mir vor als wenn ein Teenager sich vor seinen autoritären Eltern für die Dinge auflehnt, die er für unfair hält, und der bereit ist, seine Stimme zu erheben bis wesentliche Veränderungen erreicht sind. Ich konnte auch sehen, dass diese autoritären Eltern nicht verstanden, was geschah, und sich erst Mal mit Gewalt und Bestrafung zu Wehr setzten oder kleine Zugeständnisse anboten. Der Sohn war jedoch bereits erwachsen und wollte nicht mehr zurück.

So eroberten am 25. Oktober 2019 1,2 Millionen Chilenen die Straßen von Santiago, um zu demonstrieren und für ein besseres, unparteiisches und gerechteres Land einzutreten. Der Marsch wurde von der nationalen und internationalen Presse als die größte friedliche Demonstration in Chile angesehen.

Es war wirklich aufregend für mich, Hunderte von Videos und Fotos von diesem Tag in den sozialen Netzwerken zu sehen. Einige meiner Freunde sendeten mir in Echtzeit ihre Eindrücke und irgendwie fühlte ich mich, als wäre ich auch dort, vertreten durch meine Tochter Josefa, die mir, ohne die Geschichte und Erfahrungen jener Jahre der Diktatur zu kennen, telefonisch erzählte: Papa, Chile ist aufgewacht.

Dann am 22. November reiste ich schließlich selbst nach Santiago und kam zwei Tage vor Josefas 21. Geburtstag an. Noch wenige Wochen zuvor war am Flughafen völliges Chaos gewesen, mit stornierten Flügen und verwirrten Passagieren, die dort sogar zwangsläufig schlafen mussten. Glücklicherweise waren die Umstände zum Zeitpunkt meiner Ankunft besser. Ich schaffte es sogar, schneller als je zuvor auszuchecken, und glücklicherweise war das städtische Verkehrssystem zu 70% in Betrieb.

Ich verbrachte 4 Wochen in Chile, genug Zeit, um mit eigenen Sinnen wahrzunehmen, was geschah. Es war seltsam, dort zu sein. Ich hatte das Gefühl, die Energie war anders als sonst. Die Menschen auf der Straße hatten immer noch Angst vor der Welle der Gewalt, die Wochen nach dem friedlichen Marsch stattgefunden hatte. Es gab viele Plünderungen, vorsätzliche Brände, Tränengasbomben und Gummigeschosse, die die Augen vieler Chilenen trafen, so dass einige schließlich ihr Sehvermögen verloren. Es gab nach 29 Jahren wieder eine Ausgangssperre, die es seit Zeiten Pinochets nicht mehr gab.

Ich wohnte bei Freunden im Viertel Bellavista, ganz nah des Platzes Baquedano, dem Epizentrum der Aufmärsche und der anschließenden Demonstrationen.  In der Luft lag konstant der Geruch von Tränengas. In meinen Augen merkte ich es sofort und er durchdrang auch meine Kleidung. Vom Haus hörte ich in meiner ersten Woche jeden Abend nach 20:00 Uhr die Explosionen von Schüssen, Tränengasbomben oder Feuerwerkskörpern. Die Geräusche kamen von den Unruhen auf dem Platz Baquedano, von Hunderten von Jugendlichen, die jede Nacht dort protestierten und der Polizei aufbegehrten. Diese Unruhen nahmen jedoch im Laufe der Tage ab. Santiago, und Chile im Allgemeinen, kehrten zu einem normalen, jedoch anderen Zustand zurück, mit einigen neuen Errungenschaften.

Als Folge der Proteste und Demonstrationen setzte Präsident Piñera eine Volksabstimmung am 26. April 2020 an, bei der die Chilenen über eine Verfassungsänderung abstimmen und entscheiden können. Die letzte Änderung der Verfassung gab es vor mehr als 30 Jahren unter der Pinochet-Diktatur.

Aktuell gibt es in Chile viele Kontroversen darüber, ob die Verfassung geändert werden soll oder nicht. Viele Experten melden sich zu Wort, alle mit ihren eigenen Argumenten und Wahrheiten. Einigkeit gibt es zumindest darüber, dass die Zeit des Wandels begonnen hat, ein neues Jahrzehnt, das nicht nur für Chile, sondern für ganz Südamerika noch tiefgreifendere Veränderungen bringen wird.

Es gibt nicht viele, die sich auch mit der spirituellen Ebene dieser Ereignisse in Chile und allgemein Südamerika befassen. Die meisten sprechen über Fakten, Geschichte, Ungerechtigkeiten, Statistiken, politische Trends und Menschenrechte. Vielleicht hat mir die Entfernung dazu gedient, Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Es wird immer offensichtlicher, dass sich die ganze Menschheit einer neuen Ära nähert, einer Ära, in der viele von uns sich ihrer Essenz, ihrer eigenen kreativen Kraft bewusst werden und in der wir aufhören werden, diese 4 begrenzenden Säulen zu rechtfertigen: Macht, Wirtschaft, Wissenschaft und Religion.

Wenn wir hinzufügen, dass die Kundalini-Energie der Erde, auch als Schlange des Lichts bekannt, nach 13.000 Jahren vom Norden des Himalaya nun in die nördlichen Anden Chiles und Perus wanderte, ist es nicht schwer daraus zu schließen, dass wir erst am Anfang vieler Veränderungen stehen, die Südamerika als zentralen Ausgangspunkt haben werden.

Chaos ist der Auftakt zur Neuordnung. Es gibt keine Ordnung ohne vorheriges Chaos. Das Schöne ist, dass wir ein wichtiger Teil dieses Wandels sein können, echte Protagonisten. Doch dieser Wandel muss von innen und nicht von außen kommen, und das ist ein großer Unterschied, den wir verstehen müssen. Das gilt nicht nur für Südamerikaner.

November 2018 starteten wir ein neues Projekt in der Coaching Spirale, The Journey, eine besondere Reise, die von dieser neuen transformierenden Energie in Chile inspiriert wurde. Wir reisten mit einer Gruppe Deutscher in das Elqui-Tal, das 500 km nördlich von Santiago in der Nähe der Strände von La Serena liegt. Dort haben wir 8 Tage lang ein Seminar durchgeführt- für jeden von uns eine wunderschöne intensive und transformierende Erfahrung.

Im April 2020 machen wir wieder The Journey – Chile bleibt weiterhin unser Gastgeber. Und wir freuen uns darauf.

Wir freuen uns auf Sie!

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