Coaching als Safe Space: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein“

6. Jul, 2022

Saskia Sattler | Autorin

​Nachdem Coaching jahrzehntelang ein Dasein als Randphänomen fristete, ist zumindest der Begriff inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Über die Wirksamkeit scheiden sich hingegen weiterhin die Geister. Ein Plädoyer zur Zukunft des Coachings. (Lesedauer: ca. 10min)

Dass Coaching eine vergleichsweise junge Profession ist, wird schnell deutlich, wenn man den Ausführungen von Alexandra, Gründerin der Coaching Spirale, lauscht. Auch wenn man es sich heute kaum noch vorstellen kann, so waren Coaches wie Alexandra und Christin vor 20 Jahren erst einmal damit beschäftigt, ihrem Umfeld zu erklären, was Coaching eigentlich ist. Im besten Fall dachten die Gesprächspartner:innen an einen amerikanischen Sporttrainer, im schlechtesten Fall wurde der Begriff als neumodischer Firlefanz abgetan. In beiden Fällen war die Reaktion dieselbe: Kenn‘ ich nicht. Brauch‘ ich nicht. Geh‘ mir weg damit.  

Doch es waren jene, die einen Moment länger zuhörten und die neuen Dingen eher neugierig und offen als ablehnend und verschlossen begegneten, die Coaching mit der Zeit salonfähig machten. Es ist jenen Early Adoptern – early what? Adoptieren kommt für mich nicht in Frage. Wäre ja noch schöner! – zu verdanken, dass sich Coaching zunehmend in der Gesellschaft etabliert.  

Inzwischen ist Coaching im Sinne eines „interaktiven, personenzentrierten Beratungs- und Begleitungsprozesses“ als Konzept vielen bekannt. Und doch zögert die breite Mehrheit noch, sich einem solchen Prozess hinzugeben: Ach, jetzt weiß ich, wat du meinst. Ja, dat find ich jut. Aber ich brauch dat nich‘. Dat it was für so Sensibelchen wie mein Lieschen. In den letzten Jahren ist jedoch ein Wandel zu erkennen, der durch die Corona-Krise verstärkt worden ist: Immer mehr Menschen öffnen sich für diese Form der persönlichen Weiterentwicklung – möglicherweise auch weil sie spüren, dass die derzeit gültige Form der Gewinnmaximierung und Leistungsoptimierung zwar Fülle im Außen, jedoch nicht im Innern zu kreieren vermag. „Irgendetwas fehlt“ wurde zum Leitmotiv und Motor einer ganzen Generation, auch bekannt als Generation Y. Die Suche nach dem, was fehlt, führt diese Generation zunehmend zum Coaching und damit zwangsläufig zu einem gesellschaftlichen Wandel. 

Es stellt sich also die Frage, wie es wohl weitergehen mag. Wie begegnen nachfolgende Generationen Coaching? Erste Studien zeigen, dass die Generationen Z und Alpha einerseits so vulnerabel und andererseits so offen für die unterstützte und angeleitete Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich ist, wie kaum eine Generation zuvor. Was bedeutet dies für die Zukunft des Coachings? Für eine fundierte Antwort bräuchte es hierfür sicherlich eine tiefere wissenschaftliche Auseinandersetzung, sodass sich dieser Artikel auf das Aufwerfen von vier Thesen beschränkt: 

1. Coaching wird hybrid: Die Pandemie hat den zuletzt eher stagnierenden Digitalisierungsprozess weltweit befeuert und uns alle in Kontakt mit den Möglichkeiten des digitalen Raums gebracht. Während wir zunehmend die Erfahrung machen, dass wir auch virtuell eine intensive Verbindung miteinander eingehen können, bleibt die Begegnung von Angesicht zu Angesicht etwas Besonderes. Gerade in Situationen, in denen wir besonders verletzlich sind, können uns manchmal nicht nur Worte, sondern das Spüren und Erleben des Daseins eines anderen Menschen Sicherheit, Halt und Geborgenheit schenken. Möglicherweise sind gerade jene menschliche Nähe und Wärme das, wonach sich vor allem junge Menschen in ihrem digitalen Alltag sehnen. Vielleicht geht es also gar nicht darum, von Präsenz auf Digital umzusteigen, sondern beides miteinander zu verweben und eine für die Klient:innen passende Mischung zu finden.

2. Coaching wird integrativ: So wie durch den technologischen Fortschritt die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben beispielweise aufgrund der Möglichkeit des Homeoffice verschwimmen, so ist auch der Übergang zwischen privaten und beruflichen Themen fließend. Es wird somit das vergrößert, was im Grunde schon immer klar war: Ganz gleich, in welchem Setting man sich bewegt und welche Rolle man gerade verkörpert, man ist und bleibt die gleiche Person. Daher wird es unter Umständen auch obsolet, in Zukunft noch zwischen Life und Business Coaching zu unterscheiden. Eine Ableitung könnte sein, als Coach Kompetenzen und Fähigkeiten für beide Bereiche weiter und vertieft auszubilden.

3. Coaching wird anspruchsvoll(er): Aufgrund der stetig größer werdenden Vernetzung erhalten wir auf einmal Zutritt zu Bereichen und Zugang zu Informationen, die uns bisher entweder verwehrt waren oder über deren Existenz wir uns gar nicht bewusst waren. Während wir dadurch an Flexibilität, Unabhängigkeit und Freiheit gewinnen, kommen wir gleichzeitig mit einer zunehmenden Komplexität in Kontakt. Selbst die Antwort auf die Frage „Möchten Sie einen Kaffee haben?“ lässt sich heute nicht mehr ohne Weiteres mit Ja oder Nein beantworten – Ja, dat stimmt. Wenn du ‚nen normalen Kaffe willst, gucken die dich mittlerweile an wie ein Auto. Die schiere Auswahl an Möglichkeiten erschwert uns nicht nur die Kaffeewahl, sondern hat auch Einfluss auf unsere Bedürfnisse, Wünsche, Vorhaben und Entscheidungen: Was ist richtig, was ist falsch? Welchen Weg soll ich nur gehen? Was ist mir im Leben eigentlich wichtig? Und wer bin ich eigentlich? All das sind auf einmal Fragen, mit denen wir beinahe täglich in Kontakt kommen, und auf die wir zunehmend keine Antwort finden. Menschen darin zu unterstützen, ihren inneren Kompass (wieder) zu finden, wird an Intensität vermutlich zunehmen.

4. Coaching wird natürlich: Themen wie Burnout, Depression, ebenso wie mentale Gesundheit, Achtsamkeit und Selbstwirksamkeit finden im öffentlichen Diskurs mehr und mehr Gehör. Immer mehr Menschen bekennen sich öffentlich zu ihren psychischen Problemen. Es scheint, als sei eine längst überfällige Enttabuisierung und Entstigmatisierung im Gang. Im besten Fall führt diese dazu, dass sich ein jeder von uns eine:n Lebensbegleiter:in sucht, die uns in Zeiten des Zweifelns, des Haderns und des Leidens unterstützt und hält. Denn wenn uns Menschen eines eint, dann ist es doch der tiefsitzende Wunsch von einem anderen Menschen gesehen und gehört zu werden, oder nicht? – Dat haste jetzt aber schön jesacht‘. Ick bin auch wirklich froh, dat mein Lieschen immer da ist. Ick glaub‘, dat hab ich ihr noch nie jesacht… 

  

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