Das Fest – ein Paradies auf Zeit

27. Mrz, 2018

Katharina Hemmers | Autorin

Vom Kind zum Erwachsenen
Wenn wir jung sind, freuen wir uns riesig auf unseren Geburtstag. Wir bekommen Aufmerksamkeit, wir sind gespannt auf unsere Geschenke. Wir fühlen uns einzigartig. Wir haben nichts geleistet und werden trotzdem gefeiert.

Die meisten der Leser*innen sind jetzt erwachsen und die wenigsten feiern Feste noch mit demselben Enthusiasmus wie als Kind. Doch warum eigentlich nicht?

Folgt man dem Philosophen Josef Isensee ist es die Reflexion, welche uns mit zunehmendem Alter am Feiern hindert. Instinkte werden ersetzt durch Gründe. Durch die Fähigkeit der Selbstreflexion nimmt auch die Rationalität zu. Der Erwachsene glaubt nicht mehr, wenn andere ihm sagen: „Du bist es wert, gefeiert zu werden“. Dafür muss ich einverstanden sein, der zu sein, der ich bin. Ich muss mich annehmen, wie ich bin. Wer mit sich selbst hadert, feiert nicht gerne.

Das Fest und der Alltag
Doch Feiern ist zutiefst menschlich. Die Besonderheit des Menschen ist, dass er sein Leben lebt und sich gleichzeitig zu ihm verhält und auf Distanz geht. Auch darum, so der Philosoph Ove Marquard, feiert der Mensch Feste. Das Leben leben, heißt hier Alltag. Auf Distanz gehen, heißt feiern. Das Fest lebt somit scheinbar aus dem Kontrast zur Alltagswelt. Es schwebt zweckfrei über dem Nützlichen. Die Rationalität muss draußen warten. Was uns zuweilen schwer fällt.

Die FestGemeinschaft:
Doch dabei kann uns die Gemeinschaft helfen. Gemeinsam ist es einfacher die Trennung zwischen Alltag und Ausnahmezustand zu überbrücken. Wir müssen den Alltag nicht als Last empfinden, der wir zu entrinnen suchen. Lieber sollten wir versuchen, unseren Alltag gemeinsam mit festlichen Momenten zu füllen. Unsere Mitmenschen können uns dabei helfen uns anzunehmen, wie wir sind. Indem wir auch die Anderen annehmen, wie sie sind. Gerade in der heutigen Zeit der Entfremdung und der zunehmenden Technisierung ist es notwendig, uns mit Freunden, Familie und Menschen im Allgemeinen zu verbinden, anzunähern und uns einzufühlen. Ein Fest vollzieht Integration. Alles was trennt, wird verbannt. Das Zusammensein steht hier im Mittelpunkt. Ebenso ein trauriger Anlass kann ein Grund für ein Fest sein. Die geteilte Trauer vereint uns mit unseren Mitmenschen und schafft Distanz zum Schmerz, der alleine zu schwer zu tragen wäre. Das Fest ist nur in einer Gemeinschaft möglich, in der, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick, Frieden herrscht.
Somit ist das Fest ein fragiles Konzept. Lasst es uns gemeinsam wieder mehr in unseren Alltag holen.

Neue Rituale
Nehmen wir also nicht nur die Feiertage als Grund, uns unsere Mitmenschen und unser Leben auf dieser Erde zu feiern. Wir schenken uns Aufmerksamkeit, wir hören zu ohne über unsere Meinung nachzudenken oder sie gar zu äußern, wir erkennen uns an. Wir feiern die Liebe im philosophischen, globalen Sinne, nicht als etwas Privates, wie in der westlichen Welt häufig verstanden wird. Maik Hosang, Philosoph und Zukunftsforscher, beschreibt die Liebe als Möglichkeit, die Grenzen zwischen Privatem und etwas Erstrebenswerten außerhalb von mir selbst aufzulösen. Als die Kraft, die das Universum zusammenhält, die Dinge verbindet und die Schönheit in der Welt erzeugt.

Kleine Rituale und Aufmerksamkeiten unseren Mitmenschen und Fremden gegenüber machen unseren Alltag zum Fest und berühren unser Herz.Lasst uns also über die Feiertage hinaus „feste Feiern wie sie fallen!“ und beschenken wir die Welt mit Liebe und Verbundenheit. Ruft wieder Freunde an und ladet sie spontan zum Essen ein, schenkt jemand Bedürftigen eure Aufmerksamkeit und glaubt an den Gestaltungswillen der Gemeinschaft. Lasst uns wieder mehr leben wie Kinder auch  in der Gemeinschaft mit anderen, lasst uns feiern auch wenn wir nichts geleistet haben und die Freude mit unseren Mitmenschen teilen.

 

Quellen:

Josef Isensee – Die Philosophie des Festes
Odo Marquard – Die kleine Philosophie des Festes
Maik Hosang – Über Liebe

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