Die Welt im Kopf

6. Feb, 2015

Unzählige Sinnsucher haben sich auf den Weg gemacht, unzählige Bücher sind darüber verfasst worden, ganze Philosophien und Religionen gründen auf dieser Frage: Wie gelingt ein sinnvolles und erfülltes Leben? Heute, zumindest im westlichen Teil der Welt, variiert in den Fragen: Wie finde ich einen Beruf, der mich erfüllt? Wie lebe ich meinen Traum? Unsere Gesellschaft vermittelt uns doch schließlich, dass die Welt uns unbegrenzte Möglichkeiten bietet. Du kannst alles werden, wenn Du nur willst! Und sie hat dazu auch einige Antworten parat: Es liegt an Dir, such Dir einen Job, der Deinem Leben einen Sinn gibt, eine Traum-Beziehung, eine perfekte Familie, erreiche Erfolg und Ruhm! Du musst es nur wollen und an Dir arbeiten! Doch allzu oft erscheinen diese Antworten mehr wie leblose Hüllen, Imitationen der ursprünglichen Idee. Sie berühren zwar eine Sehnsucht, allerdings klingen sie in dieser Variante mehr nach Optimierung, Leistung, Funktionieren, noch besser werden. Unsere Herzen berührt das nicht, sie reagieren eher mit Erschöpfung oder Resignation. Wir spüren eigentlich, dass es so nicht funktioniert, etwas in uns sträubt sich dagegen, oder wir fühlen Misstrauen. Soll das wirklich der Weg zur Erfüllung sein? Ich soll mich noch mehr anstrengen?

Vor kurzem ist mir ein altes Buch, „Lebe Deinen Traum!“ von Martin Sage, zufällig wieder in die Hände gefallen. Darin beschreibt der Autor unter anderem sehr eindrücklich, wie wir im Laufe unseres frühen Lebens von der kindlichen Welt der Ekstase und Inspiration mehr und mehr hinabsteigen in die Welt des Leidens, wo Angst, Ärger und Erstarrung zuhause sind. Er nennt das die „Welt im Kopf“, in der wir uns zunehmend von der unmittelbaren Erfahrung der sinnlichen Welt und des Handelns entfernen. Dadurch verlieren wir nicht nur den Bezug zur erfahrbaren Realität, sondern auch zu unserem wahren Selbst. Die tiefste Stufe und das demonstrative Lei-den an dieser Welt ist die Depression, Sinnbild des totalen Verlust des Selbst, des Lebenssinns und zugleich Ausdruck der absoluten Isolation und Handlungsunfähigkeit.

Es gehört vielleicht zu den existenziellen Erfahrungen unserer Individuation, dass man aus dem Paradies des All-Seins vertrieben wird, mehr und mehr in seinem natürlichen kreativen Aus-druck beschnitten und auf das Durchschnittliche, „Normale“ gestutzt wird. Unser spontaner kindlicher Ausdruck muss durch „Erziehung“ in die rechte Form gebracht werden, und da wir artige Kinder und auf andere angewiesen sind, versuchen wir unser Bestes und passen uns an. Wir finden Berufe, die wir recht oder schlecht erledigen, wir richten uns ein im Rest der Mög-lichkeiten, die uns geblieben sind und machen es uns darin bequem. Mit der Zeit haben wir uns auch einen Reim darauf gemacht, Erklärungen und Konzepte gefunden, die unsere Erfahrungen und Enttäuschungen bestätigen und wissen fortan Bescheid. Darüber sind wir erwachsen ge-worden und doch in unserem Inneren weiterhin artige, inzwischen vielleicht aber auch wütende, unsichere oder traurige Kinder geblieben. Diese Gefühle erinnern uns noch vage daran, dass wir mal etwas anderes kennengelernt haben, andere Gefühle normal waren. Was wir jedoch meistens verloren haben, ist das Vertrauen darauf, dass die Welt für uns gemacht sein soll, dass wir ein bedeutsamer Teil von ihr sind. Wir können uns ja vermeintlich nicht einmal selbst ver-trauen, zu oft wollten wir etwas, was den anderen nicht gefallen hat, zu oft haben wir gefolgert, dass so wie wir sind, man auf gar keinen Fall in Ordnung ist. Das, was mich ausmacht, ist nicht gefragt.

Zwischen uns und unserer wahren Erfüllung liegt also eine ganze Welt – gemacht, um in Sicher-heit zu sein, Orientierung und Kontrolle zu haben. Wir haben uns ein „Selbst“ erschaffen, eine Geschichte darüber, wer wir sind, was wir können und wie wir in dieser Welt zurechtkommen. Unsere Welt im Kopf ist zu unserer Welt geworden und ersetzt die echte unmittelbare Wahr-nehmung, aus der heraus man handeln könnte. Die „echte“ Welt kennen wir schon lange nicht mehr, außer vielleicht in kurzen funkelnden Momenten, die den Nebel durchbrechen, uns „selbstvergessen“ machen und uns an etwas erinnern. Woran? An eine Zeit, in der wir freudvol-le Lebendigkeit in uns spürten, in der wir eins waren mit dem gesamten Universum und der Es-senz unseres Wesens.

In der sinnlichen Welt des Handelns haben wir keine Kontrolle. Wir können nur begrenzt die Konsequenzen unseres Handelns vorhersagen, insbesondere wenn es dabei um Dinge geht, die wir vorher noch nie getan haben. Wenn wir diese Erkenntnis in ihrer ganzen Dimension zulas-sen, dann müssen wir eingestehen, dass es in der sinnlichen Welt überhaupt keine gültigen Re-geln und Gesetzmäßigkeiten des Denkens gibt, die uns in irgendeiner Form weiterbringen. Wir kennen uns damit einfach nicht aus, wir werden ausprobieren müssen und auch mal hinfallen. Es gibt keine Sicherheit aus dem Kopf. Daher müssten wir also bereit sein, uns trotz Angst in unbekannte Gebiete vorzuwagen und unsere Konzepte über uns selbst aufzugeben. Dabei wer-den vermutlich alte Gefühle hochkommen und uns mit schmerzhaften Ängsten konfrontieren. Kann ich mich wirklich auf mich selbst verlassen? Oder habe ich mich längst verlassen, mich auf die Seite der anderen gestellt? Kann ich mir vertrauen, dass ich etwas in mir trage, das jenseits der Dunkelheit liegt? Kann ich zu meiner eigenen Dunkelheit, zu meinem ganzen Wesen „Ja“ sagen? Bedingungslos dazu „Ja“ sagen, nicht wegzugehen, auch in unvorhersehbaren Stürmen und Abenteuern? In guten wie in schlechten Zeiten? Wir verlangen das oft von anderen, von unseren Partnern, unseren Freunden oder nahezu lebenslang von unseren Eltern. Jemand der uns endlich die ersehnte Anerkennung schenkt, uns ganz akzeptiert, annimmt und bedingungslos liebt. Doch kein anderer kann das für uns übernehmen, was wir uns selbst nicht zu geben in der Lage sind.

Es ist also meistens nicht nur ein angenehmer, schon gar kein bequemer Weg, zu seinem Inne-ren und seiner Erfüllung zu finden. Er kann uns mitten durch den Schmerz führen über all das, was wir erfahren, erlitten und verloren haben. Doch einmal zugelassen und zu Ende gefühlt, können wir uns Schritt für Schritt aus dem alten Leiden befreien und stellen fest, dass wir damit vermehrt die Erfahrung von Freude und Lust in unser Leben lassen. Und vielleicht werden wir dann irgendwann mehr und mehr erkennen, dass unsere Welt im Kopf eine Illusion war – das wir niemals etwas anderes waren als ein vollkommenes Wesen, verbunden mit allen Lebewesen, all der Information und den Energien der Welt. Es war die ganze Zeit da und wird immer da sein. Tiefe Erleichterung und Freude kann sich dann einstellen. Der Zugang zu unserer Intuition, zu unserem wahren Wesen und unserer Schöpferkraft mag ein wenig verschüttet sein – aber je mehr wir handeln, je vertrauensvoller wir der Welt und unserer inneren Stimme lauschen, desto mehr lernen wir wieder, uns zu verbinden und wahrzunehmen, was wirklich da ist.

Nahezu alle spirituellen Praktiken zielen darauf ab, die Illusion des Selbst hinter sich zu lassen und zum wahren Wesen vorzudringen. Allerdings bergen diese die Gefahr einer anderen Illusi-on, nämlich dass man damit dem Schmerz und der Angst entgehen kann. Es erscheint verführe-risch, die vermeintlich schlechten Gefühle „wegbekommen“ zu können. Doch erst die Annahme all dieser Gefühle macht den Weg zur Transformation frei. Sie sind ja ohnehin da, ob wir das wahrhaben wollen oder nicht. Erst wenn wir ihnen ins Auge blicken, ihre Botschaft gefühlt und verstanden haben, kann die darin gebundene Lebensenergie frei werden. Ein erfülltes Leben bedeutet auch nicht, dass man nie mehr Schmerz fühlen wird oder Trauer oder Angst. Im Ge-genteil, diese Gefühle werden sehr intensiv und unmittelbar wahrgenommen, wenn wir eine entsprechende Situation erleben. Doch wie alle anderen Gefühle auch sind sie Teil des Lebens, und wie die Gezeiten werden sie kommen und gehen. Und eigentlich könnten wir sie schätzen lernen auf dem Weg zu uns selbst. Denn auf eins können wir uns getrost verlassen: Was uns nicht berührt, ist mit Sicherheit nichts, was uns interessiert oder für uns von Bedeutung wäre.

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