Frausein im Jahre 2019

6. Mrz, 2019

Alle Jahre wieder ist am 08. März Internationaler Frauentag. In Berlin seit diesem Jahr sogar ein Feiertag. Das ist ein schönes Signal. Gleichzeitig nehmen die Diskussionen um Geschlechtergerechtigkeit zu, was ebenfalls ein gutes Zeichen ist. Viele Dinge, die wir als gegeben hingenommen haben oder über die wir nie nachgedacht haben, drängen jetzt ins Bewusstsein und fordern zu einer Auseinandersetzung auf. Das ist höchste Zeit, denn auf den zweiten Blick müssen wir feststellen, dass wir als Gesellschaft nach wie vor vieles verändern müssen, um Frauen ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Der Paragraph 219a
Beginnen wir mit dem Paragraphen 219a. Sabine Kray (Journalistin) schreibt dazu sehr treffend auf Zeit Online:
„Die Tatsachen sind: Abtreibung ist ein medizinischer Eingriff, der in Deutschland explizit durch das Strafgesetzbuch geregelt wird. Neben der Regelung der Fristen, die für einen straffreien Abbruch eingehalten werden müssen, können Frauen nur abtreiben, wenn sie die vorgesehene Beratung in Anspruch genommen haben.“¹
Frau Kray fasst in ihrem Artikel das Dilemma der Geschlechtsbevormundung von Frauen zusammen, das sich seit vielen Jahren in vielfältigen Gesetzen ausdrückt. Seit den 60er Jahren haben Frauen zwar kontinuierlich mehr Selbstbestimmung erlangt, aber dennoch zeigt der Streit um Paragraph 219a, dass immer noch über Frauen entschieden wird und ihnen nicht zugetraut wird, die Entscheidung über ihren Körper selbst zu treffen.
Im Gegenteil – der Zugang zu Information rund um das Thema Abtreibung wird ihnen erschwert! Deutschland 2019.

Unsere Kinder und nachfolgende Generationen
Folgende Generationen werden darüber genauso den Kopf schütteln, wie wir es heute über die Gesetze bzgl. der Geschäftsfähigkeit der Frau und die Aufnahme eines Arbeitsverhältnisses aus den 60er und 70ern tun. Denn alle Frauen wissen: Keiner Frau fällt eine Abtreibung leicht! Das Ganze ist fürchterlich genug. Allen Befürworter*innen des Paragraphen 219a möchte ich entgegenhalten: wenn es wirklich um den „Schutz von Kindern“ ginge, warum ist Muttersein dann mit so großen Einbußen verbunden? Warum ist es in unserer Gesellschaft für jede Frau ein Risiko, sich für eine Schwangerschaft zu entscheiden?

Der Gebärstreik und seine Ursprünge
Meine These ist seit langem, dass sich Frauen in Deutschland in einem kollektiven Gebärstreik befinden. Es wird nur selten so ausgesprochen oder formuliert. Allein die Zahlen zeigen es. Daran kann auch Elterngeld wenig ändern, obwohl es zumindest ein kleines Signal ist und sicherlich hilft, vor allem auch Väter von Anfang an mehr in die Familienarbeit einzubinden. Ob Gesetze, die Gesellschaft oder der Staat, es mangelt an Unterstützung und Wertschätzung der Frau gegenüber im Allgemeinen und Müttern im Speziellen.

Die angeblich so kinderfreundlichen Abtreibungsgegner lassen es gleichzeitig zu, dass Geburtshilfeeinrichtungen schließen müssen und die Situation von Hebammen immer prekärer wird. Gebären in Deutschland wird somit, ebenso wie die Abtreibung, aus den Händen der Frauen genommen und ökonomisiert und oftmals sie sind gezwungen im Krankenhaus zu gebären! Die Situation von Gebärenden in Krankenhäusern ist oft traumatisierend und alles andere als unterstützend. Zusätzlich zu allen Anstrengungen und Schwierigkeiten, die Mutterschaft grundsätzlich mit sich bringt, werden Mütter in unserer Gesellschaft weiter stigmatisiert. Egal wie sie es machen, es ist falsch und sie sind oft vernichtender Kritik ausgesetzt: stillend, Fläschchen gebend, arbeitend, zu Hause bleibend, oft kommt Kritik am gewählten Lebensmodell auch von andere Frauen, die sich dadurch als „Hüterinnen des Patriarchats“ qualifizieren und einem Systemwandel im Wege stehen.

Alleinerziehende (überwiegend Frauen) werden vom Staat nicht ausreichend unterstützt und haben dadurch rund 600 Euro pro Monat weniger zur Verfügung, weil sie nicht ehelich leben und damit nicht vom Ehegattensplitting profitieren. Der Staat fördert keineswegs die Familie (Mensch mit Kindern), sondern allein die Ehe! Frauen, die abtreiben, sind sehr häufig in einer Lebenssituation, die auf ein solches Alleinerziehenden-Dasein mit allen Nachteilen hinauslaufen würde.
Die große Sorge um das „Ungeborene Leben“ ist also nicht wirklich glaubwürdig, wenn die Unterstützung für diejenigen, die gebären und sich dann um das geborene Leben kümmern sollen, so große Mängel aufweist! Dabei ist diese Aufzählung bei weitem nicht vollständig.

Inspirierende Beispiele
Natürlich gibt es noch viele weitere blinde Flecken, vor allem rund um das Thema weibliche Sexualität und Selbstbestimmung der Frau, die zum Glück auch langsam thematisiert werden, was Hoffnung macht. Ein wundervoller Kinofilm dazu ist „female pleasure“: „Er begleitet fünf mutige, starke, kluge Frauen aus den fünf Weltreligionen und zeigt ihren erfolgreichen, risikoreichen Kampf für eine selbstbestimmte weibliche Sexualität und für ein gleichberechtigtes, respektvolles Miteinander unter den Geschlechtern.“² Ich kann nur jedem Menschen empfehlen, sich diesen Film anzusehen.
Ebenso „Viva la Vulva“ eine hervorragende Dokumentation über den Umgang mit dem weiblichen Genital, in der Arte Mediathek zu sehen vom 06. – 12. März 2019.
Wie wir sehen können, sind es viele Themen rund um den weiblichen Körper und die weibliche Sexualität, über die unsere Gesellschaft – durch überwiegend männliche Gesetzgeber – unangemessene oder frauenfeindliche Kontrolle ausübt.

Die wenigsten Menschen wissen, wie es dazu gekommen ist und dass es in der Menschheitsgeschichte keineswegs immer so war. Mir ist die Aufklärung über die historischen Zusammenhänge und das Verständnis für die vielfältigen Konsequenzen des Patriarchats ein persönliches Anliegen. Auch ohne von obigen Extremen unserer Gesellschaft betroffen zu sein, entfaltet die Geschichte des Patriarchats in Frauen und Männern bis heute ihre Wirkung und wirkt in alle beruflichen wie privaten Themen hinein. Beide Geschlechter müssen davon erfahren. Frauen, um die unbewussten Urteile, die in ihren eigenen „Zellen sitzen“, besser einordnen und selbstbestimmt wandeln zu können. Männer, um ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, welchen Schaden sie selbst im patriarchalen Kontext nehmen. Ziel kann es nur sein, gemeinsam einen Paradigmenwechsel voranzutreiben. Deshalb sollte es auch mehr Seminare für Männer geben.

Die Kunst eine Frau zu sein
Seit 2002 widme ich mich den Themen Weiblichkeit und Patriarchat und biete das Seminar „Das weibliche Prinzip“ für Frauen an. Vor einigen Jahren haben wir den Titel geändert in „Die Kunst eine Frau zu sein“. Schauten vor 17 Jahren die meisten Frauen noch betreten zu Boden, wenn ich davon erzählte, ist heutzutage die Nachfrage erfreulicherweise sehr groß, weshalb das Seminar im Mai bereits ausgebucht ist. Wir bieten deshalb noch einen zweiten Termin dieses Jahr in November an.Ich freue mich auf viele interessierte Frauen, die gemeinsam selbstbestimmt in der Welt agieren wollen.

1: Sabine Kray – Schluss mit der Bevormundung

2: Female Pleasure – Website

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