Kinder als Lehrmeister

7. Nov, 2013

Mancher ist vielleicht nach der ganzen Familienzeit mit den Eltern und Kindern froh, einfach wieder arbeiten zu gehen. Ich sitze an meinem Schreibtisch zu Hause. Während fröhliche Kinderlieder aus dem Nebenzimmer schallen, zu denen meine Tochter voller Begeisterung mitsingt – zum Beispiel: „Ein Popel, ein Popel ola la…“, muss ich mich sehr konzentrieren, diesen Artikel zu schreiben. Ich darf hier zu Hause die Türen nicht zumachen, weil sich meine ansonsten vor Selbstbewusstsein nur so strotzende Tochter dann fürchtet.

Also gut, denke ich und mache das Beste aus der Situation. Dabei wird mir klar, dass Kinder im Grunde die gleichen Ängste und Sorgen haben wie wir Erwachsenen. Wenn man Kinder fragt, was ihnen am wichtigsten ist, dann kommt als erstes: ihre Familie – das Mutter und Vater sich gut untereinander und mit ihnen verstehen und als zweites: gute Freunde. Das heißt, das Wichtigste ist für sie, verbunden zu sein und dazuzugehören. Sie spüren diese Bedürfnisse viel stärker als wir und setzen sich in der Regel sehr aktiv und einfallsreich dafür ein, diese erfüllt zu bekommen.

Wenn sie ihren Platz in der Familie haben, sich akzeptiert fühlen so wie sie sind, dann können sie sich entfalten. In der Beziehung zu meiner Tochter ist es einfach: Die Verbundenheit ist u. a. dadurch gegeben, dass die Türen offen sind und sie jederzeit zu mir kommen kann, wenn sie das Bedürfnis hat.

Wird dieses Bedürfnis nach Zugehörigkeit trotz allen Einsatzes in der Kindheit wiederholt nicht erfüllt, geben Kinder mit zunehmendem Alter auf und versuchen sich oberflächlich gesehen damit abzufinden. Damit das gelingt, müssen sie sich vor weiterer Enttäuschung schützen, indem sie Schutzpanzer ausbilden. Die feinen Antennen für Stimmungen, Situationen, eigene Gefühle und die von anderen, die wir als Kind alle haben, gehen damit leider gleich mit verloren.

Das ist einerseits verständlich, um den Schmerz der unerfüllten Sehnsucht nach Verbundenheit nicht ständig zu spüren. Es ist aber auch tragisch, weil wir damit selbst nicht mehr wissen, was wir eigentlich wollen und uns von unserem eigentlichen Potential trennen. Die Sehnsucht ist nun mal der Schlüssel dazu, eine Vision für das eigene Leben und die Kraft zu deren Umsetzung zu entwickeln. Haben wir die Verbindung zu ihr verloren, bleiben wir „von gestern“ ohne Alternative für „heute“.

Das erklärt auch die Ratlosigkeit und das Gefühl der Überforderung der späteren Männer und Frauen, wie wir wohl Familie, Karriere und Partnerschaft unter einen Hut bringen sollen und ob wir das überhaupt alles wollen? Und was davon und was nicht? Beides ist in dem begründet, was wir von unseren Eltern vorgelebt bzw. nicht vorgelebt bekamen. Es ist schwer als Erwachsener etwas zu leben und zu geben, von dem wir bewusst oder unbewusst davon ausgehen, es selbst als Kind nicht bekommen zu haben.

Manche stecken weit über das 40. Lebensjahr darin fest, sich immer noch als Opfer ihrer Kindheit zu erleben. Egal wie weit sie es dann beruflich und auch sonst bringen – oft tröstet es sie nicht hinweg über den Verlust einer bestimmten Form von Anerkennung, entweder von Mutter oder Vater.

Erschwerend kommt folgendes hinzu: Im Unterschied zur Kindheit sind wir als Erwachsene nun weder bereit, uns dafür einzusetzen, noch konstruktiv auf unsere Eltern zuzugehen, ihnen sogar liebevoll die Hand zu reichen, solange sie noch leben. Oft zahlen wir lieber den Preis des Opfers – dieser ist hoch, denn erfüllte Beziehungen kommen nur als Ausnahmeerscheinung im Leben solcher Menschen vor.

Wenn wir nun selbst Eltern sind oder viel mit Kindern zu tun haben, könnten wir die Beziehungen zu ihnen nutzen, uns zu heilen. Wir unterschätzen das Unterstützungspotential, welches uns Kinder bieten. Meiner Meinung nach sind sie Entwicklungsbeschleuniger und zwar bezogen auf alle Bereiche, die für ein Leben relevant sind. Wenn wir Kinder als Lehrmeister verstehen würden und ihnen mit diesem Bewusstsein begegneten, würde es am Ende auch für uns leichter.

Wir würden Kinder ernst nehmen, uns für sie interessieren, wirklich dem zuhören, was sie erzählen, uns von ihrem Wesen berühren lassen, sie wahrnehmen und sehen, in dem was sie sind und – am Ende als Konsequenz uns selbst wieder finden! Das ist es ja eigentlich, was Kinder von uns Erwachsenen brauchen. Erwachsene, die wissen, wer sie sind und was sie wollen.

Kinder spüren genau, ob wir mit uns im Reinen sind oder nicht und sie wollen nicht, dass Vater oder Mutter „schlecht“ über sich denken. Sie wissen auch, dass es nicht stimmt. Deshalb fordern sie uns heraus. Damit wollen sie uns im Grunde erreichen, bis wir endlich aufhören, uns zu deckeln und tief- oder hochzustapeln. Das ist für Kinder sehr wesentlich, weil sie nur dann ein Umfeld bekommen, in dem sie sich selbst auch entfalten können. Die eigene Begrenzung überträgt sich immer auf die Kinder.

Bekommen wir das nicht hin, wird es für unsere Nachkommen später schwer, glücklich zu sein. Und obwohl das Glück der Kinder genau das ist, was sich Eltern am allermeisten wünschen, würde sich wiederholen, was sich seit Generationen wiederholt: Wir sind punktuell glücklich trotz unserer Eltern oder unglücklich wegen ihnen.

Um diesen Kreislauf zu unterbrechen, müssten wir letztlich bereit sein, Kindern über das Versorgen hinaus das zu geben, was wir selbst nicht von unseren Eltern bekamen. Wir müssten ihre Botschaften und ihr Wesen verstehen und sie in ihrem Sein anerkennen, nicht nur loben für das, was sie leisten. Damit würden wir aufhören, unsere Liebe zu ihnen an Bedingungen zu knüpfen.

Kinder geben uns damit ein Übungsfeld für bedingungslose Liebe – und zwar knallhart, denn immer, wenn wir damit manipulieren, gibt es Stress und Ärger für alle Beteiligten.

Das bedeutet nicht, dass wir uns auf der Nase herumtanzen lassen sollen. Es wird uns immer noch nicht alles gefallen, was sie tun und ihnen wird es mit uns nicht anders gehen. Wenn solch ein Fall eintritt, müssen klare Worte gesprochen werden. Die Kunst besteht dabei darin, mit der Kommunikation gleichzeitig die Botschaft zu transportieren, dass das Band der Liebe davon nicht Schaden nimmt. Kinder spüren das sehr genau und sind so dankbar, wenn es uns gelingt. Diese Dankbarkeit zeigen sie uns großzügig.

Also lernen wir mit Kindern die sogenannten Softskills so effektiv wie in keiner anderen Beziehungskonstellation, weil sie immer authentisch und zeitnah auf ihre Weise Rückmeldung darüber geben, was funktioniert und was nicht. Kinder kooperieren immer, manchmal eben eher spiegelverkehrt. Diesen Zusammenhang gilt es zu durchschauen und zu nutzen.

Jede Erkenntnis, die wir in der Begegnung zu Kindern haben, lässt sich auf andere Beziehungen übertragen. So können wir miteinander lernen, verbunden zu bleiben. Das würde es uns erleichtern, bei unseren Mitmenschen toleranter zu sein. Die Folge wäre, dass sich all unsere Beziehungen verbessern würden.

Was wir mit unseren Kindern klären, verhilft uns selbst zu Kompetenzen, die auch im Umgang mit Kollegen, Chefs, Partnern oder als Führungskraft von Nutzen sind und uns in die Lage versetzen, Beziehungen bewusst und konstruktiv mitzugestalten.

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