Living Gaia Encontro Camp und la floresta

5. Sep, 2019

Julia Janssen | Autorin

Im Juni hatte ich mich spontan zum Infoabend für das Living Gaia Encontro Camp angemeldet, ohne zu wissen, was mich da erwartet und welche Konsequenzen dies haben würde. Wie schon die Wochen zuvor, kam ich auf den letzten Drücker die Treppen in den 6. Stock der Coaching Spirale hoch gehetzt und fiel Marie, die mir die Tür öffnete, atemlos in die Arme. Fängt ja gut an, dachte ich, denn ich hatte nicht einmal genügend Luft, um ihr richtig Hallo zu sagen.

Alexandra kam ums Eck, strahlte mich an und war zugleich sehr überrascht, mich zu sehen. Erwartet hatte ich eine Menge Interessent*innen, doch die Gruppe war überschaubar und viele Stühle blieben leer.

Scheinbar hatte ich noch nicht genug von der Kompaktausbildung, die ich kurz davor absolviert hatte und mich in Punkto Selbsterfahrung nicht nur an meine Grenzen, sondern gerade auch motiviert hatte, den Infoabend zu besuchen. Um was soll es gehen, eine Selbsterfahrungsreise in eine andere Welt? Dann bin ich doch genau richtig hier und so beschloss ich nach dem schönen Abend, den Alexandra gemeinsam mit ihrem Mann Dada und Marie von Living Gaia e.V. durchgeführt hatten, mich anzumelden. Im Anschluss an das 10tägige Camp soll und könnte diese Reise dann noch weiter gehen. Nachdem ich nicht einmal weiß, wo Living Gaia liegt, weiß ich noch viel weniger, wo es im Anschluss hingehen soll. Es geht von Brasilia aus über die Hauptstadt des Bundesstaates Acre im Amazonasgebiet nach Jordão und von dort aus in den Wald zu dem indigenen Stamm der Huni Kuin, die in der kleinen Stadt und in den 35 Dörfern am Fluss leben. Weder kenne ich diesen Volksstamm, noch habe ich mich mit den bedrohten und brennenden Wäldern in Brasilien in dieser Region näher beschäftigt. Klingt alles spannend, ich bin neugierig und eins ist für mich sofort klar – alleine werde ich sowieso nie dorthin reisen, also wenn schon, dann buche ich das Komplettpaket, Camp und Wald!

Begeistert von der Idee und stolz über meinen Entschluss, fahre ich nach Hause und teile meiner Familie diese Entscheidung mit. Mann und Kinder schauen mich fragend an, Skepsis und Schmunzeln mischen sich zu einem – na ja, die Mami scheint sich ja mal wieder spontan sicher zu sein.

In ein paar Wochen soll’s losgehen, nach Brasilien, in ein Land, welches ich überhaupt nicht kenne, weder Sprache noch Menschen und Kultur. Außer Roswitha, eine enge Freundin meiner Eltern, die in Rio de Janeiro und Tübingen lebt, die könnte ich doch mal kontaktieren. Die kann ich ja dann dort treffen, sollte ich meine Reise verlängern wollen oder gar feststellen, dass ich mich vielleicht doch geirrt habe und dringend weg muss. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass A das Land so riesig ist und B man nicht mal kurz hin und herfliegen kann, wenn einem danach ist. Als ich Roswitha auf all ihre drängenden Fragen geantwortet hatte, war allerdings bei dem Stichwort Selbsterfahrungsreise Ende der Kommunikation. Da machte es dann bei mir auch Klick und ich beschloss, von da an mich nur meinen engsten Freunden mitzuteilen.

Mein Entschluss stand fest. Der Zeitpunkt der Abreise rückte immer näher und dann ging’s schon heftig los. Aufregung schoss schubweise durch meinen Körper und Geist, positive wie negative Gedankenspiralen wechselten sich ab. Undefinierbare Gefühle kamen in mir hoch, auch Ängste. Angst vor dem Ungewissen, Angst die falsche oder richtige Entscheidung getroffen zu haben, Angst, möglicherweise Klima und Reisestrapazen nicht auszuhalten und ja, einfach die Angst, alleine eine Entscheidung getroffen zu haben, eine Entscheidung, bei der das Ergebnis noch offen war. Angst vor Neuem, gepaart mit Entschlusskraft und Unsicherheit, bestimmten weiterhin meine Tage.
Es entstand eine kleine Vorbereitungsgruppe für den Wald. Marie, die Reiseberaterin, und Jana, die zweite Frau, die mit mir in den Wald gehen würde. Auch hier plötzlich Angst, ich kenne die Journalistin nicht, die hatte wie ich auch die Coaching Ausbildung gemacht, war schon mit der Huni Kuin Kultur in Kontakt etc. Zu viele Informationen und vermeintliche Interna, die mich im Vorfeld völlig wahnsinnig gemacht haben.
Also Fokus aufs Wesentliche, Trinkflasche mit integriertem Filter kaufen, Hängematte mit integriertem Moskitonetz kaufen und mich mit der Packliste beschäftigen, Reiseapotheke und Impfung. Irgendwie rückte die Reise in den Wald in den Vordergrund. Die Teilnahme am Encontro schien für mich völlig klar, denn das war eh das, was ich in jedem Fall machen wollte.
Parallel lief das normale Leben weiter. Schnell noch vor Abreise nach Südfrankreich fahren, großes Kind abholen und dort schnell noch Abitur feiern, dann direkt im Anschluss an die Ostsee brausen, um doch noch mit der Familie ein paar Ferientage zu verbringen, da ich mich in Berlin plötzlich einsam fühlte und nicht alleine sein wollte. Eine Entzündung im Gesicht zwei Tage vor Abreise kam dann auch noch etwas erschwerend hinzu. Das hat mich dann fast lahmgelegt und bis kurz vor Abflug war unklar, ob ich überhaupt fliegen kann. Vor Aufregung konnte ich die Nacht vor der Abreise gar nicht schlafen und habe dann beschlossen, mich bis zum Schluss mit meinem Gepäck zu beschäftigen bis mich mein Mann, sichtlich erleichtert und genervt zugleich, endlich zum Flughafen fahren konnte.
Dort wurde ich schlagartig ganz ruhig, verabschiedete mich und stieg ganz cool ins Flugzeug und los ging’s. Beim Zwischenstopp in Lissabon traf ich Marie mit Batani und Bunke, den zwei Huni Kuin Frauen aus Jordão. Die beiden schienen ähnliche Gefühle zu durchleben wie ich, dachte ich sofort, als ich in ihre versteinerten Gesichter blickte. Marie hingegen war ganz lässig. Zu dem Zeitpunkt war mir überhaupt nicht klar, dass die beiden Frauen Bestandteil des Encontros sind und Marie die Betreuung dort übernehmen sollte. Aber kein Wunder, dass ich mich bei der Hysterie, die ich vor der Abreise selbst inszeniert und durchlebt hatte, inhaltlich weder mit dem Encontro, den Huni Kuin noch dem Wald auseinandergesetzt habe.

Während des langen Fluges erholte ich mich mit Essen, Schlafen und mit Lady Gaga in ‚A star is born’ von den vorausgegangenen Strapazen. In den darauffolgenden drei Wochen bin ich nicht ansatzweise in solch einen Ausnahmezustand gekommen und muss jetzt noch im Nachhinein lächeln, wie schwer ich mich getan habe, mein vertrautes Umfeld zu verlassen, um mich in dieses Abenteuer zu stürzen.

Am Nachmittag kamen wir in Brasilia an und wurden abgeholt von Felix, unserem Fahrer und Encontro Camp-Teilnehmer, der uns zu dem knapp 300 Kilometer entfernten Living Gaia bringen sollte. Als wir endlich nach stundenlangem Bemühen die Unmengen an Gepäck in den zu kleinen Wagen gewuchtet hatten und losfuhren, war es schon dunkel und ich wusste gar nicht, wohin es geht. Die drei Frauen hinten zusammengefaltet auf der Rückbank und ich vorne neben Fahrer und DJ, der mit cooler Elektromusik durch die Dunkelheit brauste. Mir ging es gut und ich war erleichtert, als wir dann die letzten Meter der am Ende unbefestigten Straße geschafft hatten.
Herzlich und freudig wurden wir von Alexandra und Christin begrüßt, und nach einem schnellen Abendbrot durfte ich mich in mein 3 Personen-Chalet, in dem schon eine Teilnehmerin unter ihrem Moskitonetz schlummerte, zurückziehen. Sofort dachte ich, oh nein!, Du hast ja nur die Hängematte und kein einzelnes Netz – jetzt wirst Du zerstochen und hast die nächsten Tage nur Stress. Antibrumm kam sofort zum Einsatz und ich hatte Angst, dass die Flasche gleich nach ein paar Tagen leer sein könnte. Aber ich war gut drauf und da ich ja schon einige Prozesse in Berlin angestoßen und abgearbeitet hatte, konnte ich jetzt, entgegen meines Musters, relativ stressfrei ins Encontro starten.

Am nächsten Morgen startet der Tag mit den ersten Gästen und Teilnehmern im Gemeinschaftshaus mit einem gemeinsamen Frühstück und einem kleinen Ausflug an den nahegelegenen Fluss. Ein zehnminütiger Fußmarsch abwärts zu einem unberührten Stück Natur, zu dem ich dann jeden Morgen ganz früh gelaufen bin, oft auch mehrmals am Tag, um jeden Tag mit einem Morgenbad zu beginnen.

Einer der vielen Höhepunkte meiner Reise war bereits zu Beginn für mich ganz klar. In einer Gemeinschaft, einer Art Großfamilie zu leben und gemeinsam Erfahrungen machen und Erlebnisse teilen, das ist es, was mich fasziniert und woraus ich viel Energie und Kraft für mich schöpfe. Teilen als Teil des Heilungsprozesses. Die Erkenntnis darüber hat mich in der Sekunde für Stress, Ängste und all die Tränen, die ich zuvor vergossen habe, entschädigt. Ich bin meiner Intuition gefolgt und das war richtig. Und dieses Gefühl hat sich bereits am Anreiseabend und am ersten Tag bestätigt, ich fühle mich absolut wohl und offen für alles, was kommt. Hauptdarstellerin und Teil des Ganzen zu sein. Was für ein Tempo und so schnell kann’s gehen mit der Selbsterfahrung und Transformation.

In persönliche Krisen zu geraten, sich seinen Ängsten stellen oder auch Entscheidungen zu treffen und das, bevor das Encontro überhaupt angefangen hat. So schnell konnte gar kein Workshop stattfinden, denn es waren noch gar nicht alle Teilnehmer*innen angereist und offiziell ging’s auch erst drei Tage später los. Egal, ich hatte einfach schon genügend im Vorfeld abgearbeitet und konnte weiter loslegen.

Wahrscheinlich hat mich auch deshalb direkt am ersten Tag die Schönheit und die Urkraft der Natur umso heftiger umgehauen. Uneingeschränkt konnte ich ungebremst meiner Leidenschaft für Farben, Sinne, Details, Begegnungen folgen und war überwältigt von all den schönen Dingen, die mich umgaben, bevor überhaupt ein offizieller Programmpunkt der Woche stattgefunden hatte. Mein Feinsinn war quasi im Daueraufnahmezustand und ich bin die erste Zeit aufgeregt durch den Tag galoppiert.
Was steht auf dem Programm: Einführung in die Tradition der Huni Kuin, Zeremonien am Feuer und Wasser, Vorträge zu Mensch und Erde, Mann/Frau, Tönen und Manifestieren, Meditieren, Forum und Ausflüge zur Quelle und zum Wasserfall.

Mein Wunsch nach Selbsterfahrung in der Natur gemeinsam mit anderen wurde mehr als erfüllt. Auch meine Begegnung und Verbindung mit einer für mich neuen, natürlichen Welt konnte für mich nur an diesem wundervollen Ort geschehen.
Der Vortrag zum Thema Mensch & Erde machte für mich authentischen Sinn, den ich zuvor in einem Seminarraum in Berlin hätte suchen müssen.
Ebenso wie gemeinsames Tönen und Manifestieren. Anfangs spürte ich aufkommenden Schmerz, spürte immer wieder mein Festhalten an etwas, wovon ich nicht genau wusste, was es ist. Je mehr ich mich öffnen konnte, desto mehr wandelte sich dieser Schmerz in ein sich Verabschieden und hinter mir Lassen. Yeah.

Sentimentale Gefühle kamen bei mir abends am gemeinsamen Feuer. Tränen, Schmerz, Trauer, Glück – von allem etwas. Alles was mich festhält, beginnt sich langsam aufzulösen. Das passiert nicht auf Knopfdruck, sondern ist ein klärender Prozess – das zu erfahren ist wie ein Zaubertrank, der langsam seine Wirkung entfaltet.
Die Gruppe, die wohlwollende und wertschätzende Gemeinschaft, hat mich gehalten in meinen schweren Momenten und hat mir Kraft gegeben, diese Gefühle auch zuzulassen. Offenherzig und ohne neidisch zu sein, konnte ich Öffnung, Entspannung und Glücksmomente ebenso intensiv von den anderen erfahren und gleichzeitig spüren, dass ich diese selbst auch habe.
Mein anfängliches Aufgeregt-sein wandelte sich in ein zunehmend erfülltes Sein – ich hatte nicht daran geglaubt, diese Gefühle jemals zu spüren. Aber was ist passiert? Meine anfängliche Verkrampfung und Anspannung haben sich gelöst und gewandelt in Erfüllung und Zufriedenheit – in einen Zustand, nach dem ich mich so lange gesehnt habe. Das Gefühl, mit mir selbst verbunden zu sein und nicht mich ständig in einem Mangel zu empfinden, ist unbeschreiblich.

Das bewusstes Konzentrieren und Visualisieren der eigenen Wünsche, Tönen und Manifestieren in der Natur, mit angeleiteter Meditation am Wasser und intensiver Partnerarbeit, einem intimen Austausch in einem sicheren Rahmen, haben den Transformationsprozess bei mir in Gang gesetzt. Das Fokussieren auf das, was mir wichtig ist und wie ich mich damit neu ausrichten und verändern möchte, ist ein längerer Prozess und ist eben nicht mit einmal Hingucken getan. Für Menschen wie mich, die oft sehr hochtourig und schnell unterwegs sind, ist ein Beobachten eines Prozesses, egal welches, eine Herausforderung.

Ist denn irgend etwas schief gegangen oder hat etwas gefehlt? Diese Frage habe ich mir mehrfach gestellt und kann sie nur verneinen.

Die Begegnung mit den Huni Kuin und deren Kultur, Bräuchen und Ritualen habe ich nicht als eigenen Programmpunkt des Encontros empfunden. Txana, Batani, Bunke und Josiani waren inhaltlich involviert und haben „gearbeitet“. Darüber hinaus waren sie auch Teilnehmer*innen, sodass es für alle eine bereichernde Begegnung auf mehreren Ebenen war. Irgendwie war alles in einem irren Flow und hat funktioniert. Bei der einen oder anderen Workshop-Sequenz hätte ich mir etwas mehr Vertiefung und manchmal auch mehr Anleitung gewünscht, aber darum geht es nicht. Das Gesamterlebnis in dieser Woche war grandios und das zählt.
Und für mich war klar, die Reise geht weiter und ich bin gut gerüstet.
Wir sind mit zwei Autos nach Brasilia gebraust, fast in derselben Konstellation wie auf der Hinfahrt, Felix und ich vorne, Batani und Bunke hinten. Alexandra im anderen Auto mit Txana und seiner Nichte Josiani. Jana sollte erst wieder in Brasilia am Flughafen zu uns stoßen.

Die Reise in den Wald dann beginnt in Brasilia, wo ich vor 10 Tagen angekommen bin. Von dort aus geht es nach Rio Branco, in die Bezirkshauptstadt im Bundesland Acre im brasilianischen Amazonas.
Neue Reisegruppe: Alexandra, Batani und Bunke, Jana und ich. Später kommt noch Txana, der Sohn des Häuptlings der Huni Kuin dazu. Wir kommen in der Nacht an und müssen am Flughafen schlafen, da der Anschlussflug nach Jordão erst am nächsten Morgen ist. Alles klar, dachte ich mir, hab ich so noch nie gemacht, aber dann machen wir das jetzt so: Isomatte und Schlafsack raus, Zähne putzen und hinlegen. Meine Schlafbrille rettet mich und ich habe tatsächlich ein paar Stunden geschlafen. Weiter geht’s nach dem Frühstück mit einer kleinen Propellermaschine und einem dreieinhalbstündigen Flug über nicht endende Waldgebiete. So lange kann ich gar nicht aus dem Fenster schauen, alles grün und im Vergleich zu unseren Wäldern gigantisch groß und durch die Sonne wie von Scheinwerfen angestrahlt. Der Wahnsinn, so viel Natur habe ich noch nie gesehen. Unglaublich.

Gelandet und leicht durchgerüttelt, werden wir von einer Menschenmenge empfangen. Txana ist ein Weltreisender, lebt mit Familie in Deutschland, Jordão und im Wald. Batani und Bunke leben im Wald und in Jordão und waren knapp zwei Monate in Europa unterwegs. Diese Info hatte ich nicht wirklich abgespeichert, sodass ich die Zusammenhänge gar nicht gleich kapiert hatte, wer zu wem gehört und warum.
Die Wiedersehensfreude ist entsprechend groß und wir mittendrin.
Ich lasse mich einfach treiben. Jana und ich sind in einem Appartement untergebracht, Alexandra ist bei Txanas Familie. Dort angekommen geht’s gleich weiter mit der Freude über unser Eintreffen und wir werden reichlich bekocht. Von dem Tag an, egal wo und zu wem wir kommen, wir werden freudig empfangen und wie Ehrengäste mit all den Köstlichkeiten des Waldes versorgt.
Am übernächsten Morgen startet unsere Tour, drei mit Benzin betriebene Boote, viel Gepäck und eine entsprechend große Reisegruppe. Txana, seine Mutter und eine der Schwestern, Bunke mit Tochter und Sohn, und Batani. Auch Batani steigt nach der Europatour und einmal Schlafen mit uns ins Boot und nimmt zwei ihrer fünf Kinder mit, den kleinen Sohn und ihren Teenager. Es bleibt keine Zeit irgendetwas zu erzählen oder sich intensiv um eins ihrer fünf Kinder zu kümmern. Bei uns wäre das gar nicht vorstellbar, geschweige denn, dass ich in meinem Umfeld Frauen kenne, die das leisten können. Was für eine Energie und starken Willen diese Frauen haben.

Es geht 50 Kilometer den Fluss Jordão aufwärts zu den Dörfern. Zur Winterzeit bedeutet das eine Tagesreise mit vielen Pausen, Ein- und Aussteigen, Schieben, Hindernisse beseitigen und umgestürzte Bäume zersägen. Was für ein Film, ich kann es gar nicht glauben, dass ich mit dabei bin. Living Gaia war visuell schon beeindruckend. Doch diese Fahrt ist der Wahnsinn. Jana und ich sind enthusiastisch und erschöpft zugleich vom ständigen Schauen, Staunen und Bewundern der fast unberührten Natur. Die für alle anstrengende Fahrt endet an diesem Tag in Boa Vista, Bunkes Dorf, das sie vor Wochen verlassen hatte, um gemeinsam mit Batani und Marie durch Europa zu reisen. Bunke kehrt zurück zu ihrer Familie – ein bewegender Moment, der mir zeigt, wie viel Kraft und Energie diese Frau hat und die sie an diese Huni Kuin Frauen weitergeben möchte. Nach Zeremonie am Abend und Dorfversammlung am nächsten Morgen geht es weiter. Sonnenhüte auf und rein in die Boote. Boa Vista ist unser Ziel, ein anderes Dorf des Stammes, dem insgesamt ca. 15.000 Menschen angehören. Hier wohnt Oselia, die, wie die beiden Huni Kuin Frauen, am letzten Encontro teilgenommen hatte.
Dort angekommen, folgen intensive Tage mit Zeremonien, Versammlungen, Ritualen, Kräuterbädern, Gesängen, Tänzen, Schmuckpräsentationen, Interviews und zwischendurch immer wieder Projektplanungen. Am Abreisetag dürfen wir an einer Hochzeit teilhaben. Die wunderhübsche junge Braut ist erst 14 und wird mit einem von Oselias Enkelkindern verheiratet. Der junge Mann ist auch erst 16 Jahre alt.
Nach insgesamt vier Tagen, es kam mir vor wie eine Kompaktausbildungswoche, machen wir uns, immer noch beeindruckt von der sachlichen unaufgeregten Hochzeitszeremonie wieder auf den Rückweg, der trotz flussabwärts, nicht weniger anstrengend sein sollte.

Was bleibt? All die Menschen, denen wir im Wald begegneten, waren anfangs wohl skeptisch, so schien es. Oder waren es meine eigenen Skrupel, die ich spürte, weil ich das erste Mal dabei bin, quasi ohne Auftrag? Alexandra ist natürlich keine Fremde und ist durch ihr jahrelanges Engagement respektiert und in einer anderen Rolle und Funktion präsent. Wir sind gemeinsam gereist und haben Projekte vor Ort besprochen. Und wir haben uns mit den Themen, wie man Verbindung zur Natur wieder aufbauen kann, was wir von den alten Kulturen lernen können, wie wir Räume für kulturellen Austausch schaffen können und ganz konkret „la forca femenina“ unterstützen können, beschäftigt.
Im direkten persönlichen Kontakt hat sich diese Zurückhaltung sehr bald in Zuneigung, Offenheit und Herzlichkeit gewandelt. Trotz fehlender gemeinsamer Sprache haben wir zusammengefunden. Als Fremde bin ich nach Jordão und in den Wald gekommen und am Ende fühlte ich mich als Teil von Allen. Die Leichtigkeit, mit der ich auf Menschen zugegangen bin und mich auf Neues eingelassen habe, macht mich stolz und glücklich. Die letzten drei Wochen haben mir auch gezeigt, dass meine Herzenskraft Nahrung gefunden hat. Lieben und Geliebt werden gehören zu meinem Leben und diese Tatsache möchte ich nicht mehr missen.

Vor genau zwei Jahren habe ich mich auf meine persönliche Reise gemacht.
Die Coaching Ausbildung in diesem Frühjahr hat diesen Weg zu mir selbst beschleunigt und enorm bereichert. Die Reise nach Living Gaia zum Encontro, nach Jordão und in den Wald haben meine bisherigen Erfahrungen und Prozesse noch intensiver werden lassen. Es ist mit Abstand die schönste Reise meines Lebens. Diese unvergesslichen Erlebnisse und Erfahrungen, die ich machen durfte, bleiben in meinem Herzen. Dafür bin ich dankbar.
Ich bin eine kraftvolle Frau und beabsichtige mit meiner Begeisterungsfähigkeit, Inspiration und Verbindung zu Menschen in einer Gemeinschaft zu leben und etwas zu bewegen. Dazu hat mich diese Reise gebracht.

Ganz meinem Tempo entsprechend, habe ich mich für den zweiten Teil der Ausbildung angemeldet und bin darüber hinaus im Sommer 2020 zum nächsten Encontro wieder auf Living Gaia. Auf brasilianisch heißt Encontrar – finden, treffen, begegnen.
Genau das!

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