The Global Brain – eine Zukunftsvision

2. Mai, 2018

Mitte der 90iger Jahre sah ich ein Video mit dem Titel „The Global Brain“ von Peter Russell (britischer Wissenschaftler geb. 1946). Es war ein preisgekröntes Video, basierend auf einer Live-Präsentation von 1983(!). Für mich war dieses Video eine entscheidende Inspiration für das Verständnis des „großen Ganzen“ und es hat mich damals tief berührt.
Vor kurzem fiel es mir wieder ein und ich suchte es im Internet. Es hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Im Gegenteil. Im Folgenden zeichne ich die wichtigsten Linien seiner Botschaft nach und stelle eine Verbindung zwischen Coaching und dem „großen Ganzen“ her.

Der Schritt ins Weltall – Der Beginn
In den 60iger Jahren machte die Menschheit ihre ersten Schritte hinaus in den Weltraum. Zum 1. Mal sahen wir unseren Planeten von außen. Die Astronauten berichteten davon wie sehr sie dieser Anblick berührt hat.
Auch für viele von uns hat das Bild etwas verändert, viele hat es ebenfalls berührt. Zum ersten Mal sahen wir, dass es keine Grenzen gibt und dass der Planet eine Einheit ist. Wir spürten, dass wir ein gemeinsames Schicksal haben auf diesem Planeten und zum ersten Mal tauchte die Möglichkeit auf, dass die Erde mit all seinen Bewohnern ein einziger lebendiger Organismus sein könnte.
Doch wir Menschen sind immer noch wie Flöhe auf einem Elefanten. Wir untersuchen seine Haut, vermessen die Hautschichten und finden heraus wie wir diese für uns nutzen können. Den lebendigen Organismus Elefant können wir jedoch gar nicht wahrnehmen. Erst wenn wir uns mit großen Sprüngen davon entfernen, haben wir überhaupt die Möglichkeit den Elefanten als lebendigen Organismus in seiner Gänze wahrzunehmen. Ähnlich ist es mit der Erde, von der wir selbst ein Teil sind.

Prinzipien der Evolution
Die Erde hat eine sehr lange und sehr abwechslungsreiche Geschichte hinter sich, die es sich lohnt zu studieren. Die Evolution des Lebens hat sich von einfachen Strukturen zu immer komplexeren Strukturen entwickelt. Aus einfachen Atomen wurden immer komplexere Atome. Daraus entwickelten sich Moleküle und dann immer komplexere Moleküle. Organismen entwickelten sich von Bakterien zu Algen, zu Schwämmen und dann zu ersten Pflanzen. Irgendwann entstanden Fische mit einer Wirbelsäule und einem Nervensystem. Dieses Nervensystem hat sich im Laufe der Evolution beständig weiterentwickelt und ist ein entscheidender Baustein für die Komplexität des Organismus. Dem Menschen ermöglicht sein ausgefeiltes Nervensystem reflektierendes Bewusstsein und damit die Möglichkeit, seine Umwelt und sich selbst zu erforschen, zu verstehen und zu gestalten bis hin zur Erforschung des Universums. Die Evolution hat also zu einem Punkt geführt von dem aus die Erde die Möglichkeit hat, sich selbst von außen zu sehen. Wir sind also eine Möglichkeit des Universums, sich selbst zu beobachten!
Ähnliches geschieht, wenn wir unserer Inneres erforschen und beobachten. Wir entdecken und beobachten neue Dimensionen unseres Bewusstseins mit denen wir unser Leben beeinflussen und gestalten können.

Erste Schritte zu einem „Global Brain
Wo geht es also hin, was ist der nächste Schritt in der Evolution? Ein Leitprinzip der Evolution ist die Bewegung von einfachen Einheiten zu immer komplexeren größeren Einheiten. Denkt man diese Linie weiter darf man hoffen, dass die Menschheit irgendwann begreift, dass sie in Wirklichkeit eine äußerst komplexe Einheit ist und zu einem gemeinsamen Bewusstsein findet.
Wir sind im Zeitalter der Information und nicht nur das, wir teilen unser Denken und unsere Ansichten und auch unsere Gefühle immer mehr mit anderen, auch über große Entfernungen hinweg. Wir könnten uns also mehr und mehr verbinden und irgendwann als ein einziges integriertes System agieren.

Erst Wachstum, dann Vernetzung zum globalen Gehirn
Zuerst muss Wachstum geschehen. Einige Milliarden von Atomen sind notwendig, um einen einfachen Organismus wie ein Bakterium hervorzubringen. Im menschlichen Embryo gibt es ein explosionsartiges Entstehen von Gehirnzellen, die immer mehr und mehr werden, bis – bei zehn Milliarden – diese Entwicklung plötzlich stoppt. Von da an vernetzen sich diese Gehirnzellen „nur“ noch. Die Vernetzung ist notwendig, um dem Individuum ein reflektierendes Bewusstsein überhaupt erst zu ermöglichen. Vernetzung bedeutet, sich zusammenzuschließen, in einen Austausch zu gehen.
Denkt man dieses evolutionäre Prinzip weiter ergibt sich daraus die Möglichkeit, dass die Menschheit sich immer mehr zusammenschließt und vernetzt, um letztendlich zu einem übergeordneten komplexen System zu werden. Russell nennt es „The Global Brain“. The Global Brain wäre dann das Gehirn des Planeten Erde, das sich seiner selbst bewusst wird. Wir Menschen wären die Gehirnzellen, die gemeinsam ein Verständnis und vor allem ein Bewusstsein für den Gesamtorganismus Erde hätten. Betrachtet man die kulturelle Evolution findet man viele Hinweise für diesen Prozess (Telekommunikation, Internet, soziale Netzwerke) und seine Beschleunigung.

Krebsgeschwür – egoistisches Zellwachstum?
Wir finden aber auch Hinweise für eine andere Entwicklung und die erinnert eher an das Verhalten von Krebsgeschwüren. Krebsgeschwüre in einem individuellen Organismus ähneln in ihrer Gewebestruktur z.B. der Ausbreitung schnell wachsender Großstädte in ihre Umgebung, wenn man sie von oben betrachtet.
Wie entsteht Krebs innerhalb eines einzelnen lebendigen Organismus?
Im Zentrum der Zelle sind Gene, sie enthalten die Information darüber durch welche Aktivität die Zelle den gesamten Organismus unterstützt und dadurch sein Leben ermöglicht. Bei einer Störung dieser Gene wird dieser Ablauf gestört. Die Zelle wird sozusagen egoistisch und unterstützt den Gesamtorganismus nicht mehr. Sie macht ihr eigenes Ding auf Kosten des Gesamtorganismus. In kurzer Zeit entsteht ein Krebsgeschwür.
Die Parallele zu den Genen in der Zelle, ist das Zentrum unseres Bewusstseins im Individuum. Das tiefere Verständnis, die innerer Weisheit, dass wir viel mehr sind, als wir normalerweise erleben. Das Wissen, dass wir ein Teil von etwas viel Größerem sind. Verlieren wir die Verbindung damit – sind also „gestört“– verlieren wir die Verbindung zu den Bedürfnissen des übergeordneten Organismus (z.B. andere Menschen in meiner Organisation, Gesellschaft als Ganzes, Menschheit als Ganzes, Planet Erde) und werden wie egoistische Zellen, unverbunden, die anfangen ihr eigenes Ding zu machen und auf Kosten der Anderen und des Ganzen leben (anderer Menschen, aber auch aller anderen Organsimen, die den Gesamtorganismus Erde ausmachen und sein Leben ermöglichen).

Vom eingekapselten Ego zur semipermeablen Membran
Allan Watts fand dafür den Begriff des „skin encapsulated ego“. Alles was innerhalb von mir ist bin ich, alles was außerhalb von mir ist, bin ich nicht.
Biologisch ist das wahr. Wir sind zunächst scheinbar biologisch separate Individuum. Aber das ist nicht alles. Das wahre Selbst ist nicht beschreibbar. Man kann es nur durch das beschreiben, was drum herum ist ähnlich wie bei einem Loch in einem Stück Holz. Wer wir wirklich sind beschreiben wir durch das, was um uns herum ist: Wo wir leben, was wir besitzen, welche Rollen und Funktionen wir haben, welche Beziehungen wir haben usw.
Die separierende Sicht auf unsere Identität scheint zunächst nicht so gefährlich, hat aber weitreichende Konsequenzen. Nur weil wir uns als separate Wesen empfinden können wir unsere Umwelt zerstören und schlecht behandeln, weil sie dafür sorgt, dass wir die Welt als separat von uns empfinden – als etwas von uns Getrenntes. Wir sorgen einigermaßen gut dafür, was innerhalb unserer Haut passiert. Aber wir kümmern uns wesentlich weniger darum, was außerhalb unserer Haut ist. Wir fühlen uns schlicht nicht zuständig.
Wenn dies unsere Beziehung zur Erde und Natur ist und wir außerdem fortgeschrittene Technologie besitzen, dann sind unsere Überlebenschancen laut Gregory Bateson (1904 – 1980, angloamerikanischer Anthropologe, Biologe, Sozialwissenschaftler, Kybernetiker und Philosoph) ungefähr so groß wie die eines Schneeballs in der Hölle. Für ihn war deswegen das Wichtigste, dass wir das, was wir über uns selbst und über die Welt denken, neu strukturieren.
Peter Russell bringt den Begriff der semipermeablen Membran ins Spiel. Als semipermeable bezeichnet man die „Haut“ einer Zelle, die in der Lage ist bestimmte Stoffe durch die Zellwand (Membran) durchzulassen und andere nicht. Wäre unsere Haut semipermeable, also mehr im Austausch mit der Umgebung als im Moment, würde sich viel verändern. Wir könnten eine größere Verbundenheit erfahren mit dem, was um uns herum ist. Unsere Wahrnehmung würde sich ändern und dadurch unsere Einstellungen, Haltungen. Dies hätte wiederum sehr großen Einfluss auf unsere Erfahrungen und daraus ergeben sich enorme Konsequenzen für unser Handeln. Die äußere Entwicklung (Technologie, Klimawandel etc.) beschleunigt sich. Die anstehende Bewusstseinsevolution in unserem Inneren könnte es dieser Entwicklung, was das Tempo angeht, gleichtun. Diese neue Ausrichtung würde uns völlig andere Prioritäten setzen lassen und eine inspirierende Zukunftsvision ermöglichen, die uns alle verbindet. Die semipermeable Membran könnte uns ermöglichen sowohl ein Bewusstsein für die Einheit von allem zu haben als auch ein Bewusstsein für unser individuelles Potential. Diese Idee von Peter Russell lässt sich auch im Coaching weiterdenken:

Erweiterung der Identität

Die Erweiterung scheint schwierig, weil der Verstand rebelliert, wenn wir plötzlich zu viel „von draußen“ in uns hereinlassen sollen! Indem wir uns also für das, was separat von uns erscheint öffnen, indem wir das was außen ist in uns hineinlassen befürchten wir unsere Individualität zu verlieren, „in der Masse unterzugehen“ bzw. das, „was uns ausmacht“, zu verlieren – wir fühlen uns bedroht.
Wir sehen, dass es um Identität geht. Anstatt das, was außerhalb ist auszugrenzen, ginge es offensichtlich darum, den Organismus, mit dem wir uns identifizieren, zu vergrößern. So dass er sowohl das, was innerhalb unserer Haut ist, als auch das, was darum herum ist einschließt. So könnten sämtliche Einheiten zum Wohle des größeren Organismus agieren und ein Bewusstsein für den übergeordneten Organismus entwickeln. Kooperation und Entfaltung statt Abschottung und Egotrips würde zu völlig anderen Ergebnissen führen und sehr viele unserer heutigen Probleme lösen.
Entscheidend ist also die verbindende Grundlage zu finden, die ermöglicht die eigene Identität auf das, was außerhalb von mir selbst ist, zu erweitern und gleichzeitig die Individualität erhält und schätzt.

Europa als Sinnbild für Identitätserweiterung
Ein Bild, das diesbezüglich immer große Fortschritte erzeugt hat (Club of Rome, United Nations, Menschenrechtskonvention), ist das Bild der gesamten Menschheit. Die Menschheit als Ganzes auf unserem Planeten Erde. Vielen ist dieses Bild zu groß. Auf einer etwas kleineren Ebene ist dieser Prozess jedoch in vollem Gang. Die Gründungsväter der Europäischen Union mussten die Idee Europa gegen viele Widerstände langsam und schrittweise einführen. Für viele junge Europäer ist die europäische Identität inzwischen wichtiger als die nationale Identität. Tatsächlich könnten sich in einem bewusstseinsmäßig vereinten Europa (indem sich alle in Europa lebenden Menschen zuerst als Europäer fühlen) die jeweiligen regionalen Unterschiede fröhlich entwickeln und in ihrer Individualität dem Ganzen dienen. Das individuelle Potential könnte sich bei einer übergeordneten Identifikation aller Beteiligten mit Europa besser entfalten und sichtbar werden, als im momentanen Zustand, als Region eines Nationalstaates, der um seine eigene nationale Identität kämpft und von dem die Region sich unbedingt abgrenzen möchte.
Die Erweiterung der Identität ob auf individueller oder auf nationaler Ebene, bedeutet eine Ausdehnung. Das Universum befindet sich ununterbrochen in Ausdehnung (sogar wesentlich schneller, als wir dachten). Als einzelner Mensch, die Identität einer Gehirnzelle im Organismus Erde anzunehmen, mag ungewohnt und merkwürdig erscheinen. Doch würde sie dazu führen, dass ich mich mit dem Gesamtorganismus Erde identifiziere (in der Tat für viele ein großer Sprung) und mein individuelles Potenzial zum Wohle des ganzen Organismus einsetze. Der wundervolle Nebeneffekt: Sinnfragen erledigen sich.

 

Der Link zum Originalvideo von Peter Russell.

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