Unser Teamprozess

4. Apr, 2019

Daniela Pönisch | Autorin

Wie ist es, in einem neuen Team anzukommen? Oder wiederzukommen? Wo ist mein Platz? Wer ist noch so da? Und was werden wir gemeinsam tun? Heute geht es um das Team der Coaching Spirale, wie wir wachsen und uns formen. Ein ganz persönlicher Erfahrungsbericht.

Neue Wege
Im August 2018 begann für mich ein neuer Lebensabschnitt. Frisch zurück von meiner Reise im VW T4 quer durch Südamerika begann ich eine neue Arbeitsstelle bei der Coaching Spirale, als Vertretung für Katharina, die sich ebenfalls aufmachte, für einige Monate die Welt zu bereisen. Meine Aufgabe sollte das Marketing sein.

Januar 2019. Fünf Monate und viele schöne Erfahrungen später. Ich bin an Board und neues Team-Mitglied der Coaching Spirale, denn die beiden Geschäftsführerinnen Alexandra und Christin sehen in der veränderten Situation eine Chance für Stabilität. Kontinuität schaffen, indem sie ihr Team erweitern und festigen.

Wie ist es, wenn diejenige, die eigentlich als Vertretung gedacht war, plötzlich einen neuen Platz bekommen soll? Wie ist es für die, welche zum alten Platz zurückkehrt und Neues vorfindet? Wie ist es für die Kolleg*innen, die schon länger da sind und den Prozess miterleben? Wie ist unser Teamverständnis und wie möchten wir uns einbringen?

Ich schlage vor, einen Team-Workshop zu gestalten, denn ich bin hoch motiviert direkt anzuwenden, was ich im letzten halben Jahr bei Fortbildungen im Bereich Resilienz und Angewandte Improvisation im Business gelernt habe. So soll man es doch tun als Coach, erstmal machen, oder? Mein neues Kollegium ist großartig – sagt zu, lässt sich ein. Ich darf ausprobieren. Ziel des gemeinsamen Workshops ist es, die schon bestehenden einzelnen Aufgaben auf die Teammitglieder nach Fähigkeiten und Bedürfnissen aufzuteilen.

Teamreise
Team-Workshop Teil 1. Es ist seltsam und unvertraut, mich auf einem der samtigen, blau schimmernden Stühle zu platzieren, die sonst den Ausbilderinnen und Seminarleiterinnen vorbehalten sind. Die Stühle für die Teilnehmer*innen habe ich im Halbkreis vor mir aufgebaut. Die Flipcharts sind vorbereitet. Auf dem ersten Blatt prangt ein großes rotes Herz. Herzlich Willkommen steht da. Mein erster richtiger Teamprozess, und dann auch noch für Kolleg*innen! Ich bin aufgeregt. Dann geht es los. Wir sind zu fünft, Christin, Kathi, Lisa, Karsten und ich. Wir beginnen zunächst schweigend, erlaufen langsam den Raum, fühlen in uns hinein, nehmen uns Zeit zum Ankommen, schauen, wann wir bereit sind, den Blick zu heben und wahrzunehmen, wer noch so da ist. Dem Gegenüber ein Lächeln schenken.

Die Marketingbrille auf meiner Nase führt durch den Prozess. Ich stelle mir vor, im Ergebnis unseres Prozesses die Teamaufgaben entlang der Customer Journey abzubilden, d.h. entlang der diversen Kontaktpunkte, die ein*e Kund*in mit uns als Coaching Spirale erlebt, von der ersten Werbeanzeige bis hin zur Alumni-Facebookgruppe, in Bezug auf das Absolvieren einer Ausbildung, eines Seminars oder eines Coachings. Die Customer Journey wird somit als Orientierung für jedes Teammitglied genutzt, das seine oder ihre Aufgaben als Teil des Kundenerlebnisses wahrnimmt und versteht.

Wir sind ein kleines Team, organisch gewachsen, unsere Aufgaben sind fließend. Das in eine Struktur zu bringen – wollen das überhaupt alle? Struktur? Ordnung? Einordnen? Niemals! Ernst werden? Dann ist der Spaß vorbei! Oder – kann Struktur auch Spaß bringen? Freiräume sogar? Was brauchen der und die Einzelne? Ich spüre die verschiedenen Haltungen und Erwartungen im Raum. Widerstand, auch Neugier.

Am Flipchart genieße ich innerlich den Moment, wo der Stift ansetzt und über das Papier saust. Ich hätte sogar eine schöne Schrift, meint Christin. Super. Gemeinsam sammeln wir Lieblingstätigkeiten und erfahren, dass Lisa gut organisieren, malen und reiten kann. Kathi gern für Gerechtigkeit sorgt, (er)klärt und Menschen zum Lachen bringt. Karsten gut beobachtet, sich mitteilt und gern schläft. Dass Christin begeistern kann, zuhören und singen. Dass ich gut bin im Geschenke aussuchen, Rad schlagen und Salat machen.

Die schöne bunte Natur unseres Teams wird auch im ‚Expertengespräch auf der Erfindermesse‘ deutlich. Jede*r darf sich im Raum einen Gegenstand aussuchen, ihn möglichst unsinnig umbenennen und als Experte seinem Gegenüber auf der Messe mit großer Ernsthaftigkeit als ultimative Erfindung mit großer Vision verkaufen. Der/die Expert*in wird bestaunt und beklatscht. Großes Vergnügen!

Wer ich bin mit meiner Person?
Das erfahren wir Menschen in einem stetigen, natürlichen Aushandlungsprozess nur im Miteinander. Über Co-Regulation erfolgt unsere Orientierung. Funktionierende Co-Regulation spiegelt sich in wacher Präsenz, raus aus dem Kopf, rein ins Hier und Jetzt. Gemeinsames Kreativ sein und Visionieren aktivieren den Vagus-Nerv, den Nerv des sozialen Engagements. Als ein zweiter Strang des Parasympathikus ist er direkt verbunden mit unserem Kommunikationszentrum, sorgt für Entspannung, Ruhe, und Fürsorgeempfinden und schafft Sicherheit im sozialen Kontakt. Diese Sicherheit ist das mit Abstand wichtigste Merkmal erfüllter Teams, fand auch Google in seiner hausinternen, über zwei Jahre hinweg durchgeführten Studie Aristoteles heraus.

Nach dem Radschlagen und der Erfindermesse fühlen wir uns also gestärkt; die Bereitschaft zum kreativen Miteinander ist angezapft. Nun geht es ans Eingemachte. Haben wir als Team dasselbe Verständnis über unsere bestehenden Aufgaben und wie sie bisher verteilt sind? Eine Übersicht mit Spalten, Aufgaben, Namen und leeren Feldern für Kreuze macht die Runde. Wir debattieren und halten Übereinstimmungen und Abweichungen fest. Eine Stunde später ist die Zeit des ersten Workshops vorbei. Es gibt Pizza.

In den nächsten zwei weiteren Treffen handeln Kathi, Lisa und ich unsere künftigen Arbeitsschwerpunkte miteinander aus. Feilschen hier und da, geben zu, wenn uns manches langweilt oder nicht interessiert, anderes aber schon. Karsten, der uns leider bald verlässt, bringt sein Erleben als Praktikant bei uns ein. Ich merke, dass ich schon viel entspannter bin.

Ankommen
Jetzt bleibt noch, alle mit ins Boot zu holen und gemeinsam zu beschließen, wie wir die neu sortierten Aufgaben im Kontext der Customer Journey verstehen. Für den letzten Workshop lege ich fünf große Flipchart-Blätter auf dem Boden des Ozeans, unserem großen Seminarraum, aus: Bewusstsein – Überlegung – Kauf – Erhalt – Loyalität. Schritt für Schritt füllen wir zusammen mit Alexandra und Christin jedes Flipchart-Blatt und damit jede Station der Kundenreise mit Karteikarten, auf denen jeweils ein Kundenkontaktpunkte gelistet ist, z.B. Website, telefonische Beratung, Ausbildungserleben, Betreuung oder Alumni-Fest. Danach sortieren wir die Karteikarten innerhalb des Charts nach Team-Mitgliedern. Jede von uns, Kathi, Lisa und Dani, lesen unsere individuellen Aufgaben an jedem Punkt vor. Was ausgesprochen wird, kann sich leichter manifestieren. So lernen wir es in unserer Ausbildung.

Was habe ich dazu gelernt?

Wie großzügig es ist, als neue Mitarbeiterin eine Plattform und vor allem Zeit dafür zu bekommen, einen organisationalen Ansatz einbringen und verständlich machen zu dürfen. Wie viel Vertrauen es dafür vom Team bedarf. Dass es überhaupt nicht selbstverständlich ist. Dass wir uns alle jeden Tag mehr kennenlernen. Und dass wir ein tolles Team sind. Dankeschön!

Wir freuen uns auf Sie!

Lernen Sie uns doch einfach kennen. Egal welche Frage Sie haben oder ob Sie sich einfach nur im allgemeinen rund um Coaching Ausbildung, unser Seminarangebot oder Coaching an sich informieren möchten, wir sind für Sie da.

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Telefon: 030 - 79 40 33 92

Coaching-Ausbildung

Diese Weiterbildung ist unser Angebot, profundes Wissen über Kommunikation und Gestalten von Realität für sich und andere nutzbar zu machen, um Verständigung und Kooperation im privaten und gesellschaftlichen Kontext zu bewirken. Die Methodik unserer praxisorientierten Ausbildung zum Coach ermöglicht fokussiertes Handeln und damit bewusste Einflussnahme auf die Lösung der Probleme unserer globalen Welt.

Einzel- und Teamcoaching

Beide Formate ermöglichen persönliche Weiterentwicklung, wenn Sie das wünschen. Das Aufdecken und Verstehen von unbewussten Überzeugungen führt zu anderen Handlungsmöglichkeiten und nachhaltigeren Lösungen. Ein Erleben von mehr Zufriedenheit und Souveränität sind die Folge. Dies spiegelt sich auch in Ihren Ergebnissen wider.

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