Vergeben bringt Leben

4. Jan, 2011

Die Glücksforschung ist die Erforschung der Bedingungen, unter denen sich Menschen als glücklich bezeichnen und/oder glücklich sind. Eine ihrer entscheidenden Erkenntnisse ist, dass für unser persönliches Glücksempfinden, die Beziehungen zu anderen Menschen oberste Priorität haben. Menschen fühlen sich am häufigsten und intensivsten glücklich, wenn sie mit anderen zusammen sind. Liebe, Freundschaft, Geselligkeit, Kameradschaft sind auch im Zeitalter des Individualismus das beste Mittel für Glück.

Viele Menschen erleben in Ihren Beziehungen aber wenig Glück, sondern Unverständnis, Misstrauen häufigen Streit und Gefühle der Einsamkeit. Die Anzahl der Singles nimmt stetig zu und das Wort „Beziehungsunfähigkeit“ geistert schon lange durch die Gespräche über dieses Thema genau wie der Begriff „Angst vor Nähe“, ein weiteres solches Schlagwort. Schaut man genauer hin und fragt wirklich nach stellt sich heraus, dass auch die Beziehung zu den Eltern als belastet erlebt wird und es oft einen undefinierten Groll auf einen oder beide Elternteile gibt. Manchmal ist der Groll auch sehr konkret und die Eltern oder ein Elternteil werden für vieles was im eigenen Leben nicht funktioniert verantwortlich gemacht. Auch beruflicher Erfolg bzw. Misserfolg geht häufig auf das Konto der Eltern nach dem Motto: was gut geht in meinem Leben geschieht trotz meiner Eltern, was nicht klappt ist wegen meiner Eltern so. Diese Haltung ist nicht immer bewusst formuliert entfaltet aber auf jeden Fall eine enorme Wirkung.

Was kann man also tun bei einer vermeintlich schief gelaufenen Kindheit oder Jugend?

Die Kurzversion lautet: vergeben und weitermachen mit seinem eigenen Leben. In der Realität bedeutet es, sich den Schmerz hinter dem Groll bewusst zu machen, ihn wahrzunehmen, zuzulassen und eine geeignete Ausdrucksform dafür zu finden und dann im zweiten Schritt den beteiligten Personen zu vergeben und auch dafür eine angemessene Form zu finden.

Niemand hat das besser vorgemacht als eine Frau, die wirklich Grund gehabt hätte nie im Leben jemals zu vergeben: Eva Mozes Kor wurde als Kind gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester vom KZ-Arzt Josef Mengele für seine Experimente missbraucht. Jetzt ist Eva Mozes Kor 76 Jahre alt und hat einen Weg gefunden, sich nicht mehr als Opfer zu fühlen. Das beschreibt sie in einem vor kurzem in der Berliner Zeitung erschienenen Interview. Hier einige Auszüge:

Kor:

„Viele Überlebende des Holocaust gaben ihre Schuld- und Wutgefühle an ihre Kinder und Enkel weiter…. Vergebung hilft, sich selbst zu heilen. Sie ist ein Samen für Frieden. Was wäre, wenn wir Sechsjährigen beibrächten, dass sie vergeben und weitermachen können, wenn jemand ihnen weh getan hat? Vergeben zu können, ist ein Werkzeug, das jedes Kind braucht, genauso Lesen oder Schreiben. Es ist das Werkzeug für ein besseres Leben, frei von Wut oder Schuld.“

Anfang der 90iger Jahre traf sie den früheren KZ-Arzt Hans Münch. Sie wollte wissen, ob er irgendetwas über die Experimente wusste, weil er auch in Auschwitz gewesen war und Mengele gekannt hatte. Sie kontaktierte ihn und er war mit einem Treffen einverstanden.10 Monate später schrieb sie ihm einen Vergebungsbrief.

Kor:

„Ich wusste, dass er sich das wünschte, er hatte mir wiederholt gesagt, wie leid ihm alles tue. Als ich den Brief dann schrieb, merkte ich, dass ich tatsächlich die Kraft hatte zu vergeben. Das hatte ich nicht gewusst. Ich war ein Opfer gewesen, und als Opfer hat man keine Macht über den eigenen Körper oder den eigenen Geist – oder beides. Dass ich diese Kraft jetzt wiedererlangt hatte, war für mich eine bahnbrechende Entdeckung, daher war ich nahezu enthusiastisch dabei, diesen Brief an Dr. Münch zu schreiben. Ich brauchte vier Monate, um mich durch meinen Schmerz zu arbeiten, ich überarbeitete den Brief immer wieder – das war praktisch wie eine Therapie.“

Berliner Zeitung:

„Aber warum konnten Sie dann auch Mengele und allen Nazis vergeben?“

Kor:

„Was die meisten Menschen vergessen, ist, dass Vergebung eine Macht ist. Für jemanden wie mich, die fast fünfzig Jahre machtlos, ein Opfer meines Schicksals war, war das eine plötzliche und unerwartete Erkenntnis, die mich beglückte und die ich nutzen wollte. Opfer fühlen sich so hilflos gegenüber dem, was man ihnen angetan hat. Ich konnte nicht ändern, was geschehen war, aber ich konnte ändern, was ich darüber fühlte. Und dieser Gedanke, dass ich etwas in der Hand hatte, dass ich die Macht über etwas hatte, was mir in der Vergangenheit zugestoßen war, war für mich das Wichtigste und ist es noch. Wenn Leute sagen: Mengele verdient es nicht, die Nazis verdienen keine Vergebung, sage ich: Das mag ja alles richtig sein, aber ich verdiene es. Ich verdiene, frei von Hitler, frei von den Nazis zu sein. Ich habe die Kraft zu vergeben, das gibt mir Freiheit und ich verdiene diese Freiheit. Ein Mensch, der vergibt, wird sehr stark, er sagt: Mein Leben gehört mir, ich bin für mein Leben verantwortlich.“

Mit diesen Worten bringt Eva Mozes Kor prägnant zum Ausdruck worum es im Kern geht: Die Opferhaltung aufzugeben und Verantwortung für das eigene Glück zu übernehmen. Die wenigsten von uns haben Eltern wie Dr. Mengele oder Dr. Münch. Die wenigstens von uns haben vergleichbares erlebt. Wie wäre es, wenn wir das neue Jahr damit begrüßen, den Personen zu vergeben, die schon lange darauf warten und damit gleichzeitig unseren eigenen Weg ins Glück entstehen zu lassen?

Das vollständige Interview finden Sie unter diesem Link.

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