Vom Geschlechterkampf zu einer Liebeskultur

7. Mrz, 2013

Am vorletzten Wochenende war ich auf dem Frauen-Männerkongress in Oberlethe bei Oldenburg.

Mein Beitrag war ein Referat über die Verletzungen im weiblichen/männlichen Kollektiv. Darüber hinaus war ich als Teilnehmerin anwesend. Die meisten der Anwesenden hatten sich unmittelbar vorher auf dem Frauenkongress oder in der Männerzeit bereits innerhalb ihres eigenen Geschlechts ausgetauscht und gestärkt. Einige kamen so wie ich neu hinzu. Nun ging es also darum, sich im Kollektiv zu begegnen. Diese erste Begegnung war sehr sanft und wohlwollend gestaltet. Den ganzen Kongress zeichnete aus, dass die inhaltliche Auseinandersetzung umrahmt war von angeleiteten Ritualen, die von wunderbarer Musik und gemeinsamem Gesang begleitet wurden. Dadurch war es möglich auch schwierigen Themen in gegenseitigem Wohlwollen und mit echtem Interesse aneinander zu begegnen. An keiner Stelle gab es „Recht habe“-Diskussionen oder Schuldzuweisungen. Das Wort Rituale weckt vielleicht falsche Assoziationen. Gemeint ist im Grunde, dass es angeleitete Verhaltensabläufe gibt, die den Teilnehmern ermöglichen ihre persönlichen Themen zu bearbeiten ohne exponiert zu sein. Die eigenen Verletzungen sichtbar machen und die Verletzungen des Anderen erkennen lernen, um sich anschließend darin zu umarmen, ist im Kern das, was dabei geschieht. Dadurch, dass alle das Gleiche machen, wird vieles scheinbar so Schwierige ganz einfach und als sehr heilsam erfahrbar.

Inhaltlich machten wir uns zunächst klar, in welchem Zustand sich das Geschlechterverhältnis weltweit befindet. Anhand von Bildern und Texten konfrontierten wir uns mit der weltweit verbreiteten Gewalt gegen Frauen sowie ihrer Unterdrückung. Wir hörten von Schmerzen, die Männern von Frauen zugefügt werden. All diese Aggression führt wieder zu unterschiedlichen Varianten von Reaktionen darauf. Klar ist auf jeden Fall: Im männlich / weiblichen Kollektiv ist vieles im Argen, es gibt viele Verletzungen auf beiden Seiten und jede Menge unausgedrückte Gefühle von Wut, Schmerz, Scham und Schuld.

Ich hielt dann mein Referat über die Dynamik der Polarität der Geschlechter. Dabei wurde deutlich wie unmittelbar der Zusammenhang ist zwischen den teils grauenhaften Bildern von Gewalt einerseits und ganz persönlichen Verletzungen, die wir in unseren eigenen nahen Beziehungen erleben andererseits. So wird das Persönliche und das Kollektive als ein ineinander Verwobenes erkennbar. Dadurch wird auch schnell deutlich, dass diese Verletzungen sowohl auf persönlicher als auch auf kollektiver Ebene angegangen und geheilt werden wollen.

Im nächsten Schritt hörten wir einen Dialog zwischen der Liebesforscherin Dolores Richter und dem Paartherapeuten Dr. Robert Fischer. Jetzt wurden die kollektiven Verletzungen wieder ganz im persönlichen sichtbar und es war sehr berührend zu erleben, wenn Mann und Frau sich aufrichtig aus diesem kollektiven Hintergrund heraus mitteilen und miteinander ins Gespräch kommen.
Im Anschluss daran hatten wir eine wunderbare Sequenz über Fragen und Mitteilungen an das andere Geschlecht. Die Frauen erfuhren zum Beispiel vom Leid der Männer, wenn sie im Schoß der Frau nicht willkommen sind. Sie erfuhren, dass es für Männer tatsächlich neu ist, dass Frauen so „groß“ sind und dass sie häufig noch nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Denken und Sprechen sowie Fühlen und Handeln klaffen hier ungewollt oft auseinander.

Anschließend zogen sich beide Gruppen noch mal getrennt zurück, um sich auf das anschließende Vergebensritual vorzubereiten. Jeder überprüfte für sich, wo er noch Groll oder Schmerz fühlte und spürte außerdem dahin, wo er oder sie dem anderen Verletzungen und Ungerechtigkeiten zugefügt hat.

Dabei möchte ich noch mal betonen, wie außergewöhnlich ich die Ruhe und Entspanntheit der Männer untereinander erlebt habe. Es war eine wahre Wohltat Männer miteinander so geöffnet, authentisch und solidarisch zu erleben, jenseits von Kumpelei und den üblichen Spielchen. Unter Frauen habe ich diese nährende geöffnete Energie schon so oft erlebt, dass ich manchmal sprachlos darüber bin, dass es immer noch viele Frauen gibt, die gar keine Erfahrung zu dem nährenden wohltuenden Raum haben, der entsteht wenn man sich im Kollektiv auf sein eigenes Geschlecht einlässt.

Das gemeinsame Ritual lief dann folgendermaßen ab. Zuerst waren die Frauen im Innenkreis umrandet von den Männern. Jede Frau, die wollte, konnte aufstehen und sagen, was sie immer noch schmerzte oder eben auch, wo sie sich selbst schuldig fühlte und sich eigentlich dafür schämte. Die Männer nahmen das einfach alles nur an. Dasselbe geschah dann umgekehrt. Es war sehr berührend zu erfahren wie vieles, was Männer taten, sie eigentlich schmerzte. Genauso berührend zu erfahren war, wie viele Frauen ihre eigene Egozentrik erkannten und sich darüber klar wurden, wie viel Schmerzen sie ihren Partnern, Vätern oder Söhnen bereitet hatten. Am Ende sagte das jeweils andere Kollektiv: Wir haben euch gehört, mehrere Male, das war für die andere Seite sehr erleichternd. Rechtfertigungen und Abwehrreaktionen, die sonst immer bei solchen Themen sofort auftauchen, kamen in keinem Moment auf.

So vorbereitet konnten wir am nächsten Vormittag ein wunderbares Wertschätzungsritual zelebrieren, das wirklich alles übertraf, was ich mir hätte vorstellen können. Die Männer verwöhnten und „liebten“ (hier nicht im Sinne von erotischer Liebe zu verstehen) die Frauen mit einer solchen absichtslosen Achtsamkeit und liebevollen Aufmerksamkeit, dass wir Frauen alle sehr erfüllt waren und uns darüber freuten, anschließend umgekehrt unsere Wertschätzung ausdrücken zu können. Es war wirklich viel überfließende Liebe im Raum.

Es ist also möglich sich diesen schwierigen Themen zu stellen – auch gerade im Kollektiv, die damit verbundenen Gefühle zum Ausdruck zu bringen, sich darin verstanden zu fühlen, um dann zu dem zu kommen, was wir eigentlich alle wollen: lieben und geliebt werden. Der Beginn einer neuen Liebeskultur!

Der nächste Frauen-Männer-Kongress findet Anfang September 2014 wieder in Oberlethe bei Oldenburg statt. Eine Doppel-DVD vom diesjährigen Kongress wird bald bei uns im Coaching Laden für 24.Euro erhältlich sein.

Wir freuen uns auf Sie!

Lernen Sie uns doch einfach kennen. Egal welche Frage Sie haben oder ob Sie sich einfach nur im allgemeinen rund um Coaching Ausbildung, unser Seminarangebot oder Coaching an sich informieren möchten, wir sind für Sie da.

Rufen Sie uns an oder senden eine E-Mail.

Telefon: 030 - 79 40 33 92

Coaching Ausbildung

Diese Weiterbildung ist unser Angebot, profundes Wissen über Kommunikation und Gestalten von Realität für sich und andere nutzbar zu machen, um Verständigung und Kooperation im privaten und gesellschaftlichen Kontext zu bewirken. Die Methodik unserer praxisorientierten Ausbildung zum Coach ermöglicht fokussiertes Handeln und damit bewusste Einflussnahme auf die Lösung der Probleme unserer globalen Welt.

Einzel- und Teamcoaching

Beide Formate ermöglichen persönliche Weiterentwicklung, wenn Sie das wünschen. Das Aufdecken und Verstehen von unbewussten Überzeugungen führt zu anderen Handlungsmöglichkeiten und nachhaltigeren Lösungen. Ein Erleben von mehr Zufriedenheit und Souveränität sind die Folge. Dies spiegelt sich auch in Ihren Ergebnissen wieder.

Xing
Schreiben Sie uns
SOCIALICON
SOCIALICON