Wie man die Wüste zum Blühen bringt

10. Mai, 2021

Changepionieers in Aktion

Vom 11. bis 23. März fand der diesjährige Online Summit der Pioneers of Change statt. Viele interessante und inspirierende Changemaker und Visionäre aus ganz unterschiedlichen Bereichen gaben in Interviews Einblick in ihre Projekte.

Sehr berührend fand ich das Gespräch mit Helmy Abouleish, dem Leiter von SEKEM und Präsident von Demeter International, weil es zeigt, dass es sich lohnt, unabhängig von äußeren Umständen für das mutig voranzugehen, was die innere Führung einem sagt und dass sich dann das ganze Universum darauf einschwingt, durch alle Hindernisse hindurch. Das, was der eigenen Sehnsucht entspricht, kann im Grunde nicht scheitern – es ist nur eine Frage von Zeit und Energie, bis sich eine Herzensvision erfüllt.

SEKEM ist eine ägyptische Organisation, die seit 30 Jahren wegweisend für nachhaltige Entwicklung steht, mit der Produktion von biologisch-dynamischen Lebensmitteln, Textilien und Arzneimitteln. SEKEM gibt außerdem ein sehr inspirierendes Modell dafür, wie man mit sozialem Unternehmertum, Ernährungssicherheit herstellen und Gutes für das Klima tun kann.

Der Vater von Helmy, Ibrahim Abouleish, hatte das Bild einer Gemeinschaft von Menschen in der ägyptischen Wüste. Er sah, wie diese zusammenarbeiten, leben und lernen und wie sie biologisch dynamische Landwirtschaft betreiben. Er sah eine florierende Wirtschaft, einen liebevollen Umgang untereinander. Eine Gemeinschaft, in der sich der Einzelne entwickeln und entfalten kann, die so zusammenarbeitet, dass sie mehr an Kreativität und Möglichkeiten zulässt, als jeder Einzelne allein hat.

Diese Vision resultierte bei ihm aus einer Erschrockenheit über das rasante Bevölkerungswachstum in Ägypten entlang eines schmalen Streifens am Nil Anfang der 50er Jahre bis zu den 70ern. Dieser Nilstreifen, der ständig dichter besiedelt wurde und damit täglich mehr verschmutzte, stand vor großen Herausforderungen. Abouleish wusste, solange es keine Initiativen in Form neuer Gemeinschaften jenseits dieses Streifens gäbe, wo sich Menschen in einer neuen Situation entfalten könnten, würde das Land kollabieren. Das Land, welches gerade industrielle Landwirtschaft unter Einsatz von Pestiziden für sich entdeckte, das westliches Schulsystem kopierte und auf Technologien und Wissen setzte. Sein Vater wusste, dass damit die Probleme des 21. Jahrhunderts nicht zu lösen waren – dass es dafür neue Lösungen für Landwirtschaft, Wirtschaft und Kultur und soziales Miteinander brauchte. Seine Vision entsprang der Einsicht, dass etwas getan werden musste und es jemanden brauchte, der mit dem Handeln begann.

Obwohl ihm alle Leute ernsthaft von diesem Vorhaben abrieten, ihm sagten, dass dies niemals gut gehen könnte und sowieso eher Aufgabe des Staates wäre, entwickelte die Vision von Ibrahim Abouleish eine enorme Zugkraft.

1977 siedelte der Vater, bis dahin als Ägypter in Österreich lebend, mit seiner Familie in die Wüste um. Am selben Tag an dem der erste Traktor ankam, stellte sein Vater auch ein Klavier auf, denn er war davon überzeugt – nur inspirierte und mit sich verbundene Menschen sind in der Lage, richtige Lösungen in ihrem Bereich zu finden. Für persönliche Weiterentwicklung und Denkschulung der Mitarbeiter muss immer Zeit sein. Dieses Prinzip verfolgte er von Anfang an. Das Klavier war ein Symbol dafür.

So fand sein Vater ein Netzwerk an Mitstreitern, solche, die sich diese Vision und Philosophie zu eigen machten. Beides unterstützte, in Momenten des besonders starken Gegenwindes durchzuhalten, sich immer wieder mit der Vision zu verbinden, sie dadurch lebendig zu halten und daraus Bestätigung für weiteres Vorgehen zu erlangen. So ist SEKEM – das Wunder in der Wüste – entstanden.

20 % der Zeit für die individuelle Weiterentwicklung zu nutzen mit Musik, Theater, Tanz oder Wortkreisen, um über geistige Inhalte zu meditieren und philosophischen Reflexionen, ist bis heute fester Bestandteil der SEKEM Gemeinschaft. In diesem Bemühen, das sein Sohn bis heute fortsetzt, steckt die Absicht, Menschen mit diesen unterschiedlichen Angeboten Möglichkeiten zu geben, ihre Inspirationsquellen zu erhalten und zu erneuern. Menschen, die sich dafür entscheiden, ihr individuelles Potential entfalten zu wollen, werden verbundene, bewusst handelnde Menschen. Sie agieren liebevoll untereinander und mit ihrem Umfeld, sorgen für gute Ernte. Uninspirierte, unmotivierte Mitarbeiter dagegen treffen unverbundene Entscheidungen. Wenn der Brunnen der Inspiration austrocknet, folgen Dürre und Verwüstung. Welche Wahl ein Mensch trifft, liegt bei ihm – nur war es ihm wichtig, Wahlmöglichkeiten zu geben.

Für Abouleish gehören auch die Lösung der Klimakrise und menschliche Potentialentfaltung zusammen. Die biologische Landwirtschaft ist eine Möglichkeit, die Klimakrise zu wenden. Seiner Meinung nach hat die NICHT ökologische Landwirtschaft diese hervorgebracht. Dynamische biologische Landwirtschaft kann enorme Mengen an CO² aus der Luft im Boden binden, Kohlenstoff und Sauerstoff produzieren und verbraucht 30 % weniger Wasser als herkömmliche Landwirtschaft. Damit liefert sie auch ein Instrument, der Wasserknappheit in der Wüste entgegenzuwirken. Mehr Menschen, die ihr Potential bewusst zur Entfaltung bringen, würden seiner Meinung nach sicherlich in vergleichsweise wenig Zeit die Klimakrise auch wieder in Griff bekommen.

Was die Klimakrise seiner Ansicht nach hervorgebracht hat, sind zu viele Menschen, die in Kontexten leben, die ihnen weder Inspiration, geschweige denn Entfaltungsmöglichkeiten geben.

Inzwischen hat SEKEM 2000 Mitarbeiter. Ein Kernkreis ist engagiert und nutzt täglich diese geschaffenen Erneuerungs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Die gemeinsame Absicht der Beteiligten besteht darin, Veränderung ausgehend vom individuellen Menschen, dann hin zur Gemeinschaft endend, mit der ganzen Welt zu bewirken und darüber auch Politiker und Andere für Transformation zu inspirieren.

Zudem beweist dieses Projekt, dass man mit Produkten aus biologisch- dynamischer Landwirtschaft konkurrenzfähig bestehen kann. Man kann nicht nur reich werden, sondern auch noch etwas Sinnvolles für die Welt bewirken.

Weiterführende Links:
Sekem-Vision 2057: https://www.sekem.com/wp-content/uploads/2018/10/SEKEM-Vision-2057_20180615-3.pdf
Greening the Desert: https://pivot.sekem.com/de/

Film “Das Wunder in der Wüste”: https://www.wegezumselbst.at/sekem_wunder_wueste/#more-3376

 

 

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