Warum Rituale für uns wichtig sind

4. Mai, 2020

Julia Janssen | Autorin

Rituale wirken bei schönen, freudigen und traurigen Erlebnissen. Sie helfen in Stresssituationen wie auch bei herausfordernden Ereignissen. Wir alle brauchen Rituale, um uns zu strukturieren und auch das Gefühl zu bekommen, selbst mehr Kontrolle über das eigene Handeln zu haben. Rituale geben Halt und Sicherheit, geben feste Rahmenbedingungen in normalen, wie auch Krisenzeiten. Rituale machen eigene Handlungsabläufe bewusster. Und bewusste Handlungsmuster erleichtern unseren Alltag und geben uns wichtige Orientierung.

Was können Rituale beim Coaching bewirken?

Im Coaching sind bewusst eingesetzte und gestaltete Rituale eine wirkungsvolle Methode Veränderungs- und Transformationsprozesse zu ermöglichen und zu manifestieren. Rituale helfen Wandel und Veränderungen leichter zu meistern. Sie schaffen Klarheit und unterstützen uns bei der Fokussierung und Zielfindung. Bei Konflikt- und Stressbewältigung bilden Rituale einen guten Leitfaden. Rituale helfen beim Eintritt in neue Lebensphasen. Dabei unterstützen sie, Altes und Vergangenes loszulassen und helfen, neue Handlungen zu gestalten. Durch Übung und Wiederholung können neue Handlungen eingeübt werden und zur Gewohnheit und Routine werden. Feste Gewohnheiten und Rituale sind oft kaum voneinander zu unterscheiden. Routine entsteht dann, wenn eine Handlung, ein Gefühl oder Gedanke sich oft wiederholt und damit zur Gewohnheit wird. Erst dann kann die Handlung ohne bewusstes Steuern automatisch ablaufen und zum neu erlernten Handlungsmuster werden. Rituale schaffen eine neue Sicherheit.

In Zeiten der Unsicherheit oder großer Herausforderungen kann es hilfreich sein, sich an Vergangenes zu erinnern und auch ebenso daran, was einem schon einmal in einer extremen Situation oder Krise geholfen hat. Rituale können helfen, gestärkt auf neue Situationen zu reagieren und Krisensituationen besser durchzustehen.

Rituale oder die unfreiwillige Renaissance des Selbstkochens

Viele Bereiche des täglichen Lebens sind stark eingeschränkt und es wird noch eine Weile dauern, bis sich alles wieder normalisiert. Nach Wochen der Ausnahmesituation hat sich das Einkaufs- und Konsumverhalten der Menschen etwas beruhigt. Viele sind auf Lieferservice umgestiegen oder haben immer schon die regionale Gemüsekiste bestellt und Getränke nach Hause geliefert bekommen. Cafés und Restaurants müssen weiterhin geschlossen bleiben. Immer mehr Gastronomiebetriebe setzen auf Take-Away-Optionen. Die hungrigen Gäste können ihr Essen selbst abholen und so ihre Lieblingsorte weiter unterstützen.

Doch viel mehr Menschen bleiben jetzt zu Hause und somit auch mehr am heimischen Herd. Und genau dort ist Kreativität nun gefragter als zuvor. Mir kommt es inzwischen so vor, dass das Essen einen neuen Stellenwert bekommt, wenn man zu Hause sein muss. Auch haben sich mein Einkaufsverhalten und meine Kochideen verändert. Ich gehe nicht mehr so häufig einkaufen und kaufe auch mittlerweile andere Dinge ein als vorher. Immer häufiger ertappe ich mich dabei, in andere Einkaufswägen zu spähen, um mich tatsächlich inspirieren zu lassen. Es gibt Tage, da weiß ich einfach gar nicht, was ich kochen soll. Ich bin ein passionierter Schnellkocher, ein Rezeptmuffel, und übernehme am liebsten Rezepte aus der Küche meiner Freunde und Bekannten.

Mit dem eingeschränkten Gastronomiebetrieb müssen alle wieder vermehrt im Alltag kochen. Da man so viel zu Hause ist, fällt einem auch auf, wie viel Zeit man mit Essen verbringt. Ich habe das Gefühl, meine Familie hat mehr Hunger als vorher und ich bin gefühlt die Hälfte des Tages mit Kochen beschäftigt. Und wenn wir nicht gerade essen, überlege ich, was ich als Nächstes essen oder für die gemeinsame Mahlzeit kochen könnte. Es geht dann weiter mit Küche aufräumen, einkaufen, und schon geht das Ganze von vorne los.

Wir alle durchleben eine kollektive Erfahrung und lernen durch den Prozess der Zubereitung, unsere Lebensmittel und Speisen wieder bewusster wahrzunehmen. Auch wenn es uns nicht immer gelingt, täglich Frisches und Leckeres auf den Tisch zu zaubern.

Das geht mir häufig auch so, auch wenn ich bewusster einkaufe als vorher. Kochen muss eigentlich keine reine Pflichtübung sein, keine ewige Aneinanderreihung von Mahlzeiten sondern kann durchaus eine kreative Tätigkeit sein. Mein persönliches Motto hilft mir dabei, egal, was ich zubereite: Das Auge isst immer mit. Auch gehöre ich zu denjenigen, die sämtliche Lieblingsrezepte von Freunden übernimmt, sie Ewigkeiten nachkocht und nach und nach unterschiedlich variiert und ergänzt. So kann es durchaus vorkommen, dass sich ein Currygericht wochenlang auf meinem Speiseplan hält.

Gemeinsam und bewusst  – vom Genuss und der Notwendigkeit des Rituals

Diejenigen, die arbeiten gehen, können Mittagspausen gemeinsam verbringen. Diejenigen, die alleine sind, können inzwischen online zusammen essen oder können sich abends auf einen Drink verabreden – ebenfalls online. Das sind ganz neue gemeinsame Zeiten, die einen auch darin unterstützen, gemeinsam auf sich zu achten. Achtsamkeit ist ein multifunktionaler Alltagsbegleiter, auch beim Essen. Was kann jeder von uns tun? Bewusst essen, langsam und ohne Ablenkung essen und dabei den Geschmack beobachten. Tun wir das gemeinsam, können wir uns über unsere Erfahrungen austauschen.

Lebt man nicht allein, kommt man in diesen Zeiten zum Essen wieder häufiger zusammen und kann spüren, wie es einem selbst und den anderen geht. Essen hat eine wichtige soziale Bedeutung. Gemeinsame Zeit und besonders auch gemeinsame Essenszeit ist im Moment besonders erfahrbar, in der Zeit der verordneten Isolation, Einsamkeit und Ruhe.

Rituale im Büro – ein persönlicher Einblick

Auch ich erlebe in meiner kleinen familiären Bürogemeinschaft, wie gerade jetzt die Gemeinschaft und gemeinsame Zeit allen gut tut. In der Coaching Spirale wird täglich frisch gekocht und zusammen gegessen. Ein schönes und sehr verbindendes Ritual. Alle freuen sich, wenn um Punkt 13 Uhr gerufen wird: „Essen ist fertig“. Dann kommen wir aus unseren Zimmern in das große Büro gelaufen. Mindestabstand am großen Konferenztisch halten wir ein.

Ein Ritual, das auch die soziale Kompetenz eines jeden fast spielerisch aktiviert. Man ist gefordert, aktiv am Gespräch teilzunehmen und nicht einfach stumm das Essen in sich rein zu löffeln. Man kann eine kleine Arbeitspause einlegen und kurz abschalten, hört lustige Geschichten und erfährt darüber hinaus auch mehr Persönliches über seine Kolleg*innen. Kulinarisch ist für jeden immer etwas dabei, man bekommt neue Kochideen und Anregungen, lernt neue Gewürze kennen, neue Kombinationen, die Lieblingsspeisen der Einzelnen. Es gibt die Tofuhasser, die Tofu schon immer sofort aussortiert haben oder Käseallergiker, die plötzlich Nudeln mit Gorgonzolasoße lecker finden. Die kalorienreichsten und mächtigsten Nudelaufläufe genießen alle. Der neu eingeführte Frauenmanteltee wird als neue Weiblichkeitsdroge im Team zelebriert. Alle sind sich einig: Das gemeinsame Essen bereitet Freude und tut allen gut.

Raus aus der Komfortzone hin zum Comfort Food

Essen kann also vieles sein: reiner Genuss oder Befriedigung des Hungergefühls, aber auch Beruhigung und Entspannung, Balsam für die Seele. In der kulinarischen Welt der Köche spricht man schon lange von der beruhigenden Qualität des Comfort Foods. Was wäre denn zutreffender als das in der jetzigen Zeit? Es geht um Produkte, möglichst aus der Region, die einfach und doch schmackhaft zubereitet werden können. Bewusst und gesund eingekauft, schnell zubereitet und dann noch gut für die Stimmung? Eine Entwicklung, die wir jetzt mit den ganzen Auflagen und Vorsichtsmaßnahmen sicherlich alle noch mehr zu schätzen wissen.

Im Anhang ein köstliches Rezept mit den besten Wünschen für ein freudiges Nachkochen.

Bleiben Sie gesund!

Für 4 Personen | Vorbereiten: 15 Minuten | Garen: 15 Minuten

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