Die Coronakrise als Lügendetektor unserer Beziehungen

4. Feb, 2022

Saskia Sattler | Autorin

Die anhaltende Pandemie fordert uns auf allen Ebenen und sorgt im Außen wie im Innen für Dysbalance. Gleichzeitig birgt jede Krise immer auch eine Chance, wenn wir ihr mit nackter Aufrichtigkeit begegnen. Ein Perspektivwechsel.  

In den letzten zwei Jahren ist kaum ein Tag vergangen, an dem nicht über die vorherrschende Coronakrise berichtet worden ist. Gefühlt hangeln wir uns von Hiobsbotschaft zu Hiobsbotschaft, die unsere Zuversicht und Hoffnung auf ein baldiges Ende des Ausnahmezustandes schmälern. Sehnsüchtig warten wir auf den Tag, an dem wir uns endlich wieder leicht und frei bewegen können. Denn das Hier und Jetzt gleicht eher einem Überlebenskampf. Während es für diejenigen von uns, die aufgrund der Coronakrise ihren Job oder ihre Arbeitsfähigkeit verloren haben, tatsächlich um das Sichern der eigenen Existenzgrundlage geht, ringen alle anderen mit den faktischen Herausforderungen, die der verhängte Ausnahmezustand mit sich bringt. Die Vereinbarkeit von Home-Office und Kinderbetreuung sei an dieser Stelle exemplarisch und stellvertretend für die Vielzahl individueller Belastungen genannt.  

Da unsere Stressresistenz und damit auch unsere Toleranzgrenze mit anhaltender Belastung sinkt, können bereits kleinste Äußerungen des Gegenübers einen regelrechten (inneren) Vulkanausbruch provozieren. Während wir – dank Home-Office – den Rechner am Ende des Tages zuklappen und damit die – gefühlten – Provokationen unserer Vorgesetzten und/oder Kollegen ausschalten können, ist uns dies in einer Partnerschaft nicht einfach so möglich – insbesondere dann nicht, wenn man in einem Haushalt lebt. Einer aktuellen Umfrage der Online-Partnervermittlung Parship zufolge haben gut ein Fünftel der Paare in 2021 mehr gestritten als üblich und die Coronakrise als Belastungsprobe für die Beziehung angesehen. Doch ist daran wirklich nur Corona schuld?  

Manch einer wird es ahnen: So schön leicht diese Antwort wäre, so einfach ist es dann doch nicht. Zweifelsohne führen Belastungssituationen wie diese von Zeit zu Zeit zu Überreaktionen, da unsere Bedürfnisse wie beispielsweise der Wunsch nach Ruhe nicht erfüllt werden können. Aufgebracht zu sein ist somit zu einem gewissen Grad menschlich und gehört einfach dazu.   

Gleichzeitig projizieren wir in diesen Momenten jedoch gerne vor allem unseren Frust und Unzufriedenheit auf unsere Partner:innen – manchmal in der Hoffnung, dass sie unseren Schmerz nehmen, manchmal aus der Motivation heraus, endlich einen Sündenbock für die ganze Misere benennen zu wollen. Letztlich ist die Ursache dabei in der Regel immer, dass wir uns scheuen, die Verantwortung für uns und unser Leben zu übernehmen.  

Doch damit nicht genug: Ausnahmesituationen wie aktuell vorherrschend verstärken zudem das, was schon lange unter der Oberfläche schwelt. Gedanken und Gefühle, die wir zuvor meisterhaft aus unseren Köpfen verbannen konnten, drängen sich uns nun förmlich auf. Man könnte sagen: Wir können uns unsere Beziehung einfach nicht mehr schön gucken.  

Sollten wir also der Wahrheit ins Gesicht schauen und anerkennen, dass wir die ganze Zeit einer Illusion erlegen sind? Vereinfacht und reduziert ausgedrückt: Ja – genau das ist jetzt zu tun. Doch anstatt die Flinte direkt ins Korn zu werfen, alle Zelte abzubrechen und dem Beziehungsleben ein für alle Mal zu entsagen, birgt diese Erkenntnis eine unglaubliche Chance in sich: Die echte, tiefe, innere Heilung unserer Beziehung zu uns selbst und zum anderen.  

Anstatt damit fortzufahren, uns gegenseitig den schwarzen Peter für die anhaltende Misere zuzuschieben, können wir uns auf die Reise nach dem Ursprung und dem Kern der Konflikte begeben. In der aufrichtigen und unverblümten Reflexion werden wir dabei vermutlich bestimmte wiederkehrende (Verhaltens-)muster bei uns selbst und unserer:em Partner:in erkennen. Drastisch formuliert, lassen sich in heterosexuellen Beziehungen die geäußerten oder gedachten Vorwürfe beispielsweise auf folgende zwei Aussagen herunterbrechen: „Männer verschließen ihr Herz und wollen immer nur Sex. Frauen fühlen sich ausgebeutet und setzen Männer emotional unter Druck. 

Hand aufs Herz: Kommt Ihnen das bekannt vor? Es wäre verwunderlich wenn nicht, da es sich bei diesen Meinungen über das andere Geschlecht um tiefverwurzelte, gesellschaftlich indoktrinierte Überzeugungen handelt. Die Auseinandersetzung mit unserer kollektiven Geschichte ist ein erster Schritt auf dem Weg zur Heilung unserer Beziehungen, das Ergründen der Verbindung zu unseren persönlichen Haltungen ein zweiter.  

Es geht also wie so oft um das Bewusstwerden von inneren Haltungen und Überzeugungen als Ergebnis unserer Rückschlüsse und Ableitungen von Erfahrungen, die wir gemacht haben. Erst wenn wir bereit sind anzuerkennen, was ist, können wir loslassen und vergeben. Es ist diese innere Freiheit, die uns ein Gefühl von Fülle verspüren lässt – sowohl allein wie auch zu zweit. 

Die Coronakrise hält uns folglich den Spiegel vor – die Frage ist: Sind wir bereit hineinzusehen? 

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